ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2017Nierenzellkarzinom als Berufskrankheit
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Die Autoren haben in ihrem Beitrag auch über Risikofaktoren des Nierenzellkarzinoms berichtet und dabei auf die häufigen Ursachen, wie Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck, hingewiesen (1).

Aus arbeitsmedizinischer Sicht ist zu ergänzen, dass eine Exposition gegenüber Trichlorethen (Trichlorethylen) am Arbeitsplatz unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls ein Nierenzellkarzinom verursachen kann. In mehreren Fall­kontroll­studien aus verschiedenen europäischen Ländern wurde eine signifikante statistische Assoziation zwischen einer mehrjährigen und massiven Trichlorethen-Exposition und dem vermehrten Auftreten von Nierenzellkrebs gefunden, die metaanalytisch bestätigt werden konnte (24). Der statistische Zusammenhang ist auch toxikologisch plausibel.

Bei diesen Patienten kann es sich somit um eine Berufskrankheit (BK 1302: Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe) handeln, wenn eine mehrjährige regelmäßige Expositionsdauer im sogenannten Hochdosisbereich (Exposition gegenüber Luftkonzentrationen von circa 300 ppm und mehr) gesichert nachgewiesen ist. Eine weitere berufliche Ursache für Nierenzellkarzinom sind Cadmium und Cadmiumverbindungen, wobei der kausale Zusammenhang im Sinne einer Berufskrankheit – in diesem Fall käme die BK 1104 (Erkrankungen durch Cadmium und seine Verbindungen) in Betracht – noch weiter abgeklärt werden muss.

Es ist darauf hinzuweisen, dass der behandelnde Arzt gemäß § 202 SGB VII gesetzlich verpflichtet ist, den begründeten Verdacht auf Vorliegen einer Berufskrankheit dem Träger der Unfallversicherung (zum Beispiel Berufsgenossenschaft) oder dem staatlichen Gewerbearzt unverzüglich anzuzeigen.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0160a

Prof. (em) Dr. med. Dipl.-Chem. Gerhard Triebig

Heidelberg

arbeitsmedizin@triebig.eu

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Doehn C, Grünwald V, Steiner T, Follmann M, Rexer H, Krege S: The diagnosis, treatment and follow-up of renal cell carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 590–6 VOLLTEXT
2.
Brüning T, Pesch B, Wiesenhütter B, et al.: Renal cell cancer risk and occupational exposure to trichloroethylene: Results of a consecutive case-control-study in Arnsberg, Germany. Am J Ind Med 2003: 274–85 CrossRef MEDLINE
3.
Charbotel B, Fevotte J, Hours M, et al.: Case-control-study on renal cell cancer and occupational exposure to trichloroethylene. Ann Occup Hyg 2006: 777–87 MEDLINE
4.
Karami S, Lan Q, Rothman N, et al.: Occupational trichloroethylene exposure and kidney cancer risk: a meta-analysis. Occup Environ Med 2012: 858–67 CrossRef MEDLINE
1.Doehn C, Grünwald V, Steiner T, Follmann M, Rexer H, Krege S: The diagnosis, treatment and follow-up of renal cell carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 590–6 VOLLTEXT
2.Brüning T, Pesch B, Wiesenhütter B, et al.: Renal cell cancer risk and occupational exposure to trichloroethylene: Results of a consecutive case-control-study in Arnsberg, Germany. Am J Ind Med 2003: 274–85 CrossRef MEDLINE
3.Charbotel B, Fevotte J, Hours M, et al.: Case-control-study on renal cell cancer and occupational exposure to trichloroethylene. Ann Occup Hyg 2006: 777–87 MEDLINE
4.Karami S, Lan Q, Rothman N, et al.: Occupational trichloroethylene exposure and kidney cancer risk: a meta-analysis. Occup Environ Med 2012: 858–67 CrossRef MEDLINE

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