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Wir danken Herrn Prof. Triebig für seine ergänzenden Kommentare zur S3-Leitlinie Nierenzellkarzinom und unserem Übersichtsbeitrag (1). Er weist auf einen wichtigen arbeitsmedizinischen Aspekt in der Epidemiologie des Nierenzellkarzinoms hin. Auf der Basis von Daten aus Toxizitätsanalysen, Tierexperimenten und epidemiologischen Studien stuft die International Agency for Research on Cancer (IARC) Trichlorethylen als sicher krebserregend (Karzinogen der Gruppe 1) ein (2). Dabei kommt der beruflichen Exposition gegenüber Trichlorethylen als Risikofaktor für die Entstehung eines Nierenzellkarzinoms besondere Bedeutung zu.

Bisherige Kohortenstudien konnten eine Assoziation zwischen Trichlorethylen-Exposition und Nierenkrebsrisiko nicht einheitlich nachweisen. Zwei aktuelle Metaanalysen verfügbarer Fallkontroll- und Kohortenstudien bestätigen eine moderate Erhöhung des Nierenkrebsrisikos im Zusammenhang mit einer besonders hohen beruflichen Trichlorethylen-Exposition mit einem Meta-RR von 1,58 (95-%-Konfidenzintervall: [1,28; 1,96]) (3, 4). Beim Auftreten eines Nierenzellkarzinoms kann es sich grundsätzlich also auch um eine beruflich verursachte Krebserkrankung handeln. Der Anteil beruflich verursachter Erkrankungen an den in Deutschland auftretenden Nierenkrebsfällen ist insgesamt als sehr klein einzuschätzen. Neben Trichlorethylen kommen Cadmium(-Verbindungen) und halogenierte Alkyl-, Aryl-, oder Alkylaryloxide (BK-Nr. 1310) als berufliche Kanzerogene für das Nierenzellkarzinom in Betracht. Die berufliche Exposition gegenüber Kanzerogenen muss bei der Anamnese vom Arzt berücksichtigt werden, um im Verdachtsfall der Anzeigepflicht für eine Berufskrankheit nachkommen zu können.

Die Bedeutung des Nierenzellkarzinoms als Berufskrankheit findet bisher in der S3-Leitlinie keine Berücksichtigung. Die wertvollen Hinweise von Prof. Triebig sind deshalb auch als Anregungen für weitere Ergänzungen der Leitlinie zu verstehen und werden in der kommenden Aktualisierung Berücksichtigung finden.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0160b

Für die Autoren:

Prof. Dr. med. Christian Doehn

Urologikum Lübeck, doehn@urologikum-luebeck.de

Prof. Dr. med. Steffen Weikert

Leiter der Leitlinien-Arbeitsgruppe Epidemiologie, Risikofaktoren, Prävention und Früherkennung

Interessenkonflikt

Prof. Doehn hält Aktien von Bayer Healthcare, AstraZeneca und BMS. Für Beratertätigkeiten erhielt er Gelder von Bayer Healthcare, BMS, GSK, Janssen-Cilag, Novartis, Pfizer und Roche. Er erhielt Erstattung von Teilnahmegebühren für Kongresse von BMS, GSK, Novartis und Pfizer. Reise- und Übernachtungskosten wurden ihm von BMS, GSK, Novartis, Pfizer und Roche zuteil. Für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Tagungen wurde er von Bayer Healthcare, BMS, GSK, Novartis, Pfizer und Roche unterstützt.

Prof. Weikert erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Doehn C, Grünwald V, Steiner T, Follmann M, Rexer H, Krege S: The diagnosis, treatment and follow-up of renal cell carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 590–6 VOLLTEXT
2.
IARC: Trichloroethylene, tetrachloroethylene, and some chlorinated agents. IARC
monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans. International Agency for Research on Cancer. World Health Organization, Lyon. Vol 106, 2014: 35–217.
3.
Scott CS, Jinot J: Trichloroethylene and cancer: systematic and quantitative review of epidemiologic evidence for identifying hazards. Int J Environ Res Public Health 2011: 4238–72 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Karami S, Lan Q, Rothman N, et al.: Occupational trichloroethylene exposure and kidney cancer risk: a meta-analysis. Occup Environ Med 2012: 858–67 CrossRef MEDLINE
1.Doehn C, Grünwald V, Steiner T, Follmann M, Rexer H, Krege S: The diagnosis, treatment and follow-up of renal cell carcinoma. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 590–6 VOLLTEXT
2.IARC: Trichloroethylene, tetrachloroethylene, and some chlorinated agents. IARC
monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans. International Agency for Research on Cancer. World Health Organization, Lyon. Vol 106, 2014: 35–217.
3.Scott CS, Jinot J: Trichloroethylene and cancer: systematic and quantitative review of epidemiologic evidence for identifying hazards. Int J Environ Res Public Health 2011: 4238–72 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Karami S, Lan Q, Rothman N, et al.: Occupational trichloroethylene exposure and kidney cancer risk: a meta-analysis. Occup Environ Med 2012: 858–67 CrossRef MEDLINE

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