ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1999Krankenkassen-Wettbewerb: Unwirkliche Gegner

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Krankenkassen-Wettbewerb: Unwirkliche Gegner

Maus, Josef

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LNSLNS Als die (Krankenkassen-) Welt noch in Ordnung war, gab es für die Ersatzkassen - abgesehen von zu stark steigenden Beitragssätzen - eigentlich nur ein Schreckgespenst: die immer wieder mal aufkommende Forderung nach einer Einheitsversicherung. Dem "Begriff aus der politischen Mottenkiste" schall dann stets der Ruf nach Vielfalt entgegen. So war das, als die Welt noch in Ordnung war.
Inzwischen gibt es aber Wettbewerb. Seit 1996 müssen sich die gesetzlichen Versicherer offensiv um ihre Kundschaft mühen, denn ein jeder kann nahezu jederzeit wechseln. Weil der mündige Versicherte davon Gebrauch macht, kommt Bewegung in die Kassenlandschaft. Und plötzlich ist nicht mehr die Einheitsversicherung der Feind, sondern die Gefahr lauert in der Vielfalt. So wandte sich dieser Tage der Landesverband der Hamburger Ersatzkassen mit einem merkwürdigen Hilferuf an die Öffentlichkeit. Der Gesetzgeber müsse unverzüglich Maßnahmen gegen die "virtuellen" Betriebskrankenkassen ergreifen - nicht gegen die "echten".

Virtuelle Krankenkassen? Die Ersatzkassen verstehen darunter jene Betriebskrankenkassen, die "keinerlei Bezug mehr zu Trägerunternehmen" haben, etwa die BKK für Heilberufe und für steuerberatende Berufe. Diese unterhielten in aller Regel kein Geschäftsstellennetz und seien ausschließlich auf der Jagd nach günstigen Risiken.
Richtig ist, daß die genannten Kassen günstige Beitragssätze bieten, die BKK für Heilberufe von Beginn an unverändert 11,9 Prozent (der Durchschnitt bei den Ersatzkassen liegt bei 13,8 Prozent). Richtig ist auch, daß diese Krankenkassen enorm expandieren, die Heilberuflerkasse beispielsweise ist in nur drei Jahren auf 180 000 Versicherte gewachsen.
Das sind im übrigen keine virtuellen, sondern ganz reale Zahlen, die die aufkommende Panik bei den etablierten Ersatzkassen durchaus verständlich erscheinen lassen. Weniger nachvollziehbar ist indessen der Ruf nach dem Gesetzgeber "zur Unzeit". Gerade hat das Bundesgesundheitsministerium nämlich festgestellt, daß die Verwaltungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen mit 13,1 Milliarden DM (!) im vergangenen Jahr einen Rekordstand erreicht haben. Josef Maus

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