ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2017Morbus Parkinson: Biomarker in der Haut könnte die Frühphase anzeigen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Morbus Parkinson: Biomarker in der Haut könnte die Frühphase anzeigen

Dtsch Arztebl 2017; 114(9): A-422 / B-366 / C-356

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Diagnose des M. Parkinson ist im Frühstadium (Prodromalphase) schwierig. Erst die typischen motorischen Störungen geben spezifische Hinweise. Dann aber sind circa 80 % der dopaminergen Nervenendigungen und 30–50 % der Nervenzellen in der Substantia nigra bereits irreversibel geschädigt. Seit Längerem wird daher nach Biomarkern gesucht. Der Nachweis von Ablagerungen des phosphorylierten Ser129-α-Synuklein (p-α-Syn) in der Substantia nigra gilt als Goldstandard – allerdings post mortem. Seit einiger Zeit aber wird vermutet, dass sich die Substanz bei Parkinson auch in anderen Geweben ablagert, darunter der Haut.

Neurologen an den Universitätskliniken Würzburg und Marburg haben diesen Biomarker für die Früherkennung evaluiert. Sie rekrutierten 18 Patienten mit REM-Schlafstörungen, 25 Patienten mit frühem Parkinson, diagnostiziert nach internationalen Standardverfahren, und 20 gesunde Kontrollprobanden. Gestörter REM-Schlaf gehört zu den Risikofaktoren für Parkinson. Die Forscher entnahmen Hautbiopsien (Ø 5 mm) am Rücken an den Bereichen C7 und Th10 und an den Beinen. Nach Ablagerungen von p-α-Syn wurde mit Hilfe der Doppelimmunfluoreszenzfärbung in den dermalen Nervenfasern gesucht und die Dichte der präsynaptischen Dopamintransporter bestimmt. Bei Probanden mit REM-Schlafstörungen wurde die olfaktorische Funktion mithilfe standardisierter Tests geprüft und die Wahrscheinlichkeit für prodromale Parkinson-Symptome kalkuliert.

Das Ergebnis: p-α-Syn wurde mit einer Sensitivität von 55,6 % bei 10 von 18 Probanden mit REM-Schlafstörungen nachgewiesen und mit einer Sensitivität von 80 % bei 20 von 25 Patienten mit frühem M. Parkinson. Keine Ablagerungen fanden sich bei den Gesunden.

Fazit: Dermales α-Synuclein könnte sich als Marker für ein Prodromalstadium von M. Parkinson eignen. „Damit sind wir dem Ziel, Parkinson im Frühstadium zu erkennen und zu stoppen, einen Schritt näher“, so Prof. Dr. med. Günther Deuschl, Universitätsklinik Schleswig-Holstein Campus Kiel, Präsident der European Academy of Neurology. „Der Weg ist nun offen, auch bei nicht von der REM-Schlafverhaltensstörung Betroffenen einen Marker der Frühphase zu identifizieren und eine präsymptomatische Therapie zu ermöglichen.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Doppler K, Jentschke HM, et al.: Dermal phospho-alpha-synuclein deposits confirm REM sleep behaviour disorder as prodromal Parkinson’s disease. Acta Neuropathologica 2017; DOI: 10.1007/s00401– 017–1684-z.

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