ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2017Multiples Myelom: Carfilzomib nach erstem Rezidiv in der Praxis etabliert

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Multiples Myelom: Carfilzomib nach erstem Rezidiv in der Praxis etabliert

Dtsch Arztebl 2017; 114(9): A-424 / B-368

Warpakowski, Andrea

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Der Proteasom-Inhibitor Carfilzomib kann in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason das progressionsfreie Überleben von Patienten mit rezidiviertem multiplem Myelom verlängern.

Die Fortschritte in der Myelomtherapie sind enorm – die verfügbare Palette an Therapieoptionen reiche von der klassischen Chemotherapie inklusive der Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation über Kortikosteroide und immunmodulatorische Medikamente bis zu monoklonalen Antikörpern und Proteasominhibitoren wie beispielsweise Carfilzomib (Kyprolis®), stellte Dr. med. Hans Salwender, Hamburg, die Vielzahl der Therapiemöglichkeiten anlässlich einer Pressekonferenz des Unternehmens Amgen vor. Heutzutage könne eine geeignete Behandlung für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt individuell ausgewählt und lange Intervalle ohne Progression erreicht werden. Entscheidend für den Krankheitsverlauf sei das Erreichen einer möglichst tiefen Remission, die mit einem längeren Überleben assoziiert ist (1), so Salwender.

Proteasominhibitor der nächsten Generation

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Seit November 2015 kann Carfilzomib in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason (KRd) und seit Juni 2016 auch als Zweifachkombination nur mit Dexamethason (Kd) eingesetzt werden (2). Seitdem erhielten laut Dr. Stefan Kropff, Medizinischer Direktor bei Amgen Deutschland, weltweit mehr als 40 000 Patienten den Proteasominhibitor in der täglichen Praxis.

Auch Salwender setzt Carfilzomib im klinischen Alltag ein, denn tiefe und anhaltende Remissionen, wie sie in den Zulassungsstudien auftraten, seien entscheidend für die Prognose und die Lebensqualität (3, 4). Als weiteren Vorteil von Carfilzomib nannte der Hämatologe die geringere Rate an peripheren Neuropathien im Vergleich zu Bortezomib, weshalb Patienten, die in der Erstlinie unter Bortezomib bereits Neuropathien entwickelt haben, spätestens im ersten Rezidiv Carfilzomib erhalten sollten.

KRd versus Kd: In der Studie ASPIRE erhielten 972 Patienten mit einem multiplen Myelom im 1.–3. Rezidiv als 28-Tage-Zyklen entweder KRd mit 27 mg/m2 Carfilzomib-Zieldosis plus Rd oder Rd allein bis zur Progression oder inakzeptablen Toxizität (3). Beim primären Endpunkt progressionsfreies Überleben (PFS) war KRd signifikant überlegen (26,3 versus 17,6 Monate; HR 0,69; 95-%-KI: [0,52– 0,94]; p < 0,0001). Bei Patienten im ersten Rezidiv verlängerte sich das PFS auf 29,6 Monate.

Insgesamt sprachen 87,1 % der Patienten im KRd-Arm an (versus 66,7 % im Kd-Arm), davon erreichten 31,8 % der Patienten eine komplette Remission (CR; versus 9,3 %) und 14,1 % eine stringente CR (sCR; versus 4,3 %). Salwender wies darauf hin, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit in dieser Studie höher war, je tiefer die erzielte Remission war.

Kd versus Vd: In der ENDEAVOR-Studie wurden erstmals zwei Proteasominhibitoren in Kombination mit Dexamethason direkt miteinander verglichen: 929 Patienten mit einem multiplen Myelom im 1.–3. Rezidiv erhielten Kd mit einer Zieldosis von 56 mg/m2 oder Bortezomib (Vd) (4). Kd verdoppelte das PFS im Vergleich zu Vd (18,7 versus 9,4 Monate, p < 0,0001). Doppelt so viele Patienten sprachen im Kd-Arm mit einer CR an (13 versus 6 %; p < 0,0001).

Insgesamt war Kd unabhängig von Alter, Anzahl der Vortherapien oder Bortezomib-Vorbehandlung Vd überlegen. Die Rate an peripheren Neuropathien ≥ Grad 2 war unter Kd sehr viel geringer (6 versus 32 %).

Aktiv Nebenwirkungen entgegenwirken

Die kardialen Nebenwirkungen Hypertonie, Dyspnoe und Herzinsuffizienz unter Carfilzomib ließen sich im Behandlungsalltag mit einem „aktiven Therapiemanagement“ gut handhaben, sagte Salwender und nannte folgende Maßnahmen:

  • Vor der Behandlung den Patienten gut aufklären, kardiale Vorerkrankungen ermitteln und ggf. eine Hypertension oder eine Herzinsuffizienz optimal einstellen und ein Flüssigkeitsmanagement einleiten.
  • Während der Behandlung den Flüssigkeitshaushalt des Patienten kontrollieren und bei Herzinsuffizienz auf Hinweise der Volumenüberlastung achten. Die Patienten könnten zum Therapiemanagement beitragen, indem sie regelmäßig zu Hause den Blutdruck messen. Auch mit Dosisanpassungen könnten kardialen und anderen Nebenwirkungen steuernd entgegengetreten werden, sagte Salwender.

Andrea Warpakowski

Quelle: Pressekonferenz „Meet the Expert.1 Jahr Carfilzomib: Praxis-Update“ der AMGEN GmbH am 1. Februar 2017 in Hamburg.

1.
Velde HJ van de, et al.: Haematologica 2007; 92: 1399–409 CrossRef MEDLINE
2.
Fachinformation Kyprolis®, Stand Dezember 2016.
3.
Stewart AL, et al.: N Engl J Med 2015; 372: 142–52 CrossRef MEDLINE
4.
Dimopoulos MA, et al.: Lancet Oncol 2016; 17: 27–38 CrossRef CrossRef
1. Velde HJ van de, et al.: Haematologica 2007; 92: 1399–409 CrossRef MEDLINE
2. Fachinformation Kyprolis®, Stand Dezember 2016.
3.Stewart AL, et al.: N Engl J Med 2015; 372: 142–52 CrossRef MEDLINE
4. Dimopoulos MA, et al.: Lancet Oncol 2016; 17: 27–38 CrossRef CrossRef

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