ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2017Randnotiz: Rettung naht

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Randnotiz: Rettung naht

Dtsch Arztebl 2017; 114(9): A-395 / B-343 / C-335

Maibach-Nagel, Egbert

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Mitten im Januar in Berlin: Notfall im Stadtteil Zehlendorf um Mitternacht. Aus nächster Nähe kommt kein Rettungswagen, so die Berliner Zeitung über die Lage vor Ort. Der Grund für den Missstand: Personalmangel. In der Stadt fehlen laut einem aus 2016 stammenden Gutachten 151 Einsatzkräfte zur Besetzung der RTW. Ergo: Die Anfahrt zum Notfall erfolgt in diesem Fall aus dem entfernteren Stadtteil Kreuzberg. Rettung naht. Vielmehr, sie nähert sich. Den exakten Zielort kann der veraltete Straßenkartensatz des Navigationssystems im RTW nicht ausmachen. Das traurige Ende? Ankunft beim zwischenzeitlich verstorbenen Notfallpatienten nach 17 Minuten. Der planerisch vorgegebene Ansatz liegt im Innenstadtbereich bei acht Minuten. Ein Einzelfall? Nein: Laut Feuerwehr wird die Quote der Zeiten in Berlin nur zu 34,5 Prozent erreicht. Sicher, Berlin ist flächenbezogen groß. Sicher, Berlin fehlt es an Geld. Und sicher ist auch, damit ist die Hauptstadt nicht allein. Aber sind Beispiele wie diese deshalb akzeptabel, zumal solche Situationen nicht erst seit gestern – und nicht nur in Berlin – bekannt sind? Das Leben in Großstädten braucht nicht nur den Ausbau von Radwegenetzen, wie sie der Berliner Senat jetzt angekündigt hat. Großstädte brauchen vor allem eine zuverlässige und gut ausgestattete Notfallversorgung. Dafür fehlt es an funktionierendem Material und an Personal. In Berlin soll dieses jetzt, wie es heißt, auch beschafft werden. Bleibt die Frage, ob das reicht: Die extrem steigenden Notfallzahlen – in Berlin waren es über 30 000 zusätzliche Einsätze im vergangenen Jahr – erfordern grundlegende flankierende und entlastende Maßnahmen in der Versorgung.

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Avatar #90533
nicolaischaefer
am Mittwoch, 8. März 2017, 12:24

Berlin hat kein Geld? Ha!

Stimmt nicht ganz - Kleines aktuelles Beispiel:
Stromkosten für den nichteröffneten BER Flughafen: 5,1 Millionen Euro
Monatlich bis zu 40 Mio. Euro an laufenden Kosten insgesamt für den BER.
Selbst, wenn man die Kosten durch 3 teilt (Bund, Brandenburg, Berlin), sollte noch ein kleiner RTW und der eine oder andere Notfallsanitäter bezahlbar sein.
Die Argumente sind doch lächerlich! Da hilft nur eine Klage auf Organisationsverschulden.

Viele Grüße!

N. Schäfer



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