ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2017Hautkrebs-Screening: Sinn außer Zweifel
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Es wird leider durch die Abbildung eines mit einem Dermatoskop arbeitenden Arztes suggeriert, dass dies eine Leistung im Rahmen des Hautkrebs-Screenings (HKS) für gesetzlich Versicherte sei. Auflichtmikroskopie/Dermatoskopie sind explizit im HKS-Verfahren nicht eingeschlossen. Hingegen ist dies in der Gebührenordnung für Ärzte seit Jahren anerkannte Leistungsposition. Die Studienlage liefert eindeutige Zahlen zugunsten der Methode. Methodisch ist eine Senkung der Hautkrebs-Inzidenz durch das HKS nicht zu erwarten – das wäre vor allem Aufgabe der Primärprävention, und Effekte sind erst nach vielen Jahren erkennbar.

Einige geeignete Parameter werden zwar erwähnt, aber Senkung der mittleren/medianen Tumordicke oder Rückgang der Abrechnung aufwendiger OP-Ziffern oder der Klinikaufenthalte wegen Hautkrebs-Therapie wären ebenso für die Beurteilung des Effekts sinnvoll. Die häufig kritisierte ausbleibende Senkung der Mortalität am Melanom ist dagegen kein geeigneter Parameter, da – wie zu Recht beklagt – die Inanspruchnahme des HKS zu gering ist. In einer jetzt publizierten Studie (Häufigkeit und Muster der Tumorerkennung nach Selbstuntersuchung bei Mittel- und Hochrisiko-Melanompatienten. Sindrilaru, A., et al., J. Dtsch. Dermatol. Gesellschaft (JDDG) 15: 61 – 69, 2017) wird gezeigt, dass 25 Prozent der Patienten mit fortgeschrittenen Melanomen den Tumor überhaupt nicht bemerkt hatten, bei den seltenen Melanom-Typen war dieser Anteil noch höher. Auch die übrigen Patienten dieser Studie ließen den Tumor bis zu sechs Monate oder sogar länger beobachten. Vor allem diese Patienten sind es, derentwegen es nicht zu einem Rückgang der Mortalität kommt. Die Sinnhaftigkeit der Hautkrebs-Früherkennung samt Information der Patienten steht dagegen außer Zweifel, auch unter wirtschaftlichen Aspekten angesichts der zunehmenden, enormen Kosten neuer Therapien fortgeschrittener Melanome und anderer Tumoren.

PD Dr. Dr. med. Jürgen Kreusch, 23564 Lübeck

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