ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1996Verhaltensweisen: Beispiele aus ehemaliger DDR

SPEKTRUM: Leserbriefe

Verhaltensweisen: Beispiele aus ehemaliger DDR

Fege, Jürgen

Zu dem Beitrag "Gesundheitsverhalten der Bevölkerung" von Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Günther Lüschen in Heft 14/1996
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LNSLNS Anfang der 80er Jahre beschäftigte mich die Frage, warum immer mehr Menschen krank sind und ob die Ärzte und ihre Mitarbeiter aufgrund ihres eigenen Verhaltens überhaupt autorisiert sind, ihre Patienten auf gesundheitsförderndes Verhalten hinzuweisen. Dazu wurden in der ehemaligen DDR 186 Ärzte und ärztliche Mitarbeiter zu ihrem Gesundheitsverhalten hinsichtlich ihres Körpergewichts, ihrer sportlichen Aktivitäten und der Aufnahme von Genußmitteln befragt.
Die Kontaktaufnahme zu den Kollegen und die Befragung wurde von den staatlichen Stellen der ehemaligen DDR mit der Auflage genehmigt, daß die Ergebnisse der kleinen Studie vor Veröffentlichung dem Kreisarzt vorgelegt werden. Dieser übergab mein Manuskript an seine vorgesetzte Dienststelle beim Rat des Bezirks. Nach mehreren Monaten bekam ich meine Arbeit mit zahlreichen Randbemerkungen und Beauflagungen zurück. Man wollte mit allen Mitteln verhindern, daß unerwünschte Äußerungen an die Öffentlichkeit gelangen.
Aufgrund dieser diskriminierenden Vorgänge verzichtete ich auf eine Veröffentlichung. Ich habe auf diese Weise ein Dokument, auf dem Ärzte Originalrandbemerkungen hinterlassen haben, die diskriminierenden Charakter tragen.
Ergebnisse: Verschickte Fragebögen 186, Rücklauf 76 (64 Humanmediziner, 6 Stomatologen, 6 ärztliche Mitarbeiter) . . . Aussagen zum Körpergewicht: Unter Brocaindex 48, 10 Prozent über Brocaindex 6, 20 Prozent über Brocaindex 2
Rauchgewohnheiten: Nichtraucher 61, Raucher 15 . . .
Alkoholgenuß: 45 Personen, davon 14 gelegentlich.
Sportliche Aktivitäten: Re-gelmäßig mit annehmbarem Trainingseffekt im Sinne einer positiven Kreuzadaptation 19, gelegentlich 42, kein Sport 15.
Die Ergebnisse zeigten, daß die befragten Personen sich durchschnittlich gesundheitsbewußter verhielten als die Durchschnittsbevölkerung in der damaligen DDR.
Die Probleme Alkohol, Nikotinmißbrauch und Übergewicht hatten einen hohen Stellenwert in der DDR mit steigender Tendenz. Auch im Vergleich mit der im DÄ veröffentlichen Studie über das Gesundheitsverhalten von 2 239 erwachsenen Europäern schneiden die seinerzeit in der ehemaligen DDR befragten Ärzte gut ab . . .
Dr. med. Jürgen Fege, Hauptstraße 8, 09618 Brand-Erbisdorf
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