ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2017Management: Wunderwaffe
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Was die Autoren unter dem Titelstichwort „Krankenhausmanagement“ beschreiben, scheint ja eine wahre Wunderwaffe (WW) zu sein. Das Arsenal kommt ja recht fortschrittlich daher. Ich zitiere aus Freude daran, wie’s mir auf der Zunge zergeht:

Implementierung, Vision, Empowerment, Motivation, Partizipation, Erhöhung der Zufriedenheit, Identifikation mit der Organisation, Entwicklungspotenziale entdecken, Veränderungsbedarfe thematisieren, Potenziale freisetzen, Potenziale nutzen, verbesserte Prozesse, Probleme reduzieren, Initiierung von Veränderung. Und das goldene Abschluss-Ei: „Die Bereitschaft zur Veränderung sollte auf allen Ebenen vorhanden sein“.

Ein konkretes Erlebnis aus Urzeiten des Managementbeginns werde ich nie vergessen: Bei der Heimvisite sind alle Stationen Personal-entvölkert. Erklären konnte mir das keiner (war ja keiner da). Aber ich war pfiffig! Ich las im Aufzug: „Heute Audit“. Tage später in diesem Heim sehe ich den Heimleiter vor sich hinstarren. Ich versuche aufzumuntern (Motivation und gutes Management gehören doch zusammen wie Boxhandschuh und Zahnschutz): „Audit gut überstanden? Oder wenigstens froh, dass vorbei?“ Nach langer Antwortlosigkeit die zaghaften Worte: „Ich weiß nicht, woher ich das Personal nehmen soll.“ „Ja aber sagen Sie das doch, davon lebt doch ein Audit! Mit QM ist nichts mehr unlösbar!“ „Habe ich ja!“ „Und?“ „Wir beraten nur!“

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Das moderne (!) Management (siehe oben) im Gegensatz zu dieser historisch-verstaubten Situation: Wie ist der Change zwischen damals und heute, wie müsste er sein? Wie würde WW heute dieses Problem zur Bagatelle entschärfen? Ist es überhaupt denkbar, dass WW irgendwann an seine Grenzen stoßen, sozusagen stumpf werden könnte? Kann aller Change irgendwann einmal sozusagen ausgelutscht sein? Gibt’s überhaupt irgendeine Grenze für Effizienz (Effekt/Aufwand)? Woran wäre das dann zu erkennen? Oder ist WW endlos verbesserungsfähig wie beim PDCA-Zyklus? Dann wäre keinerlei Sorge um die Versorgung von immer mehr Kranken mit immer weniger Personal gerechtfertigt. Oder?

Dr. med. Alexander Ulbrich, 70599 Stuttgart

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