ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2017Antibiotikaresistente Erreger bei Flüchtlingen: Epidemiologie in den Herkunftsländern ist wesentlich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Antibiotikaresistente Erreger bei Flüchtlingen: Epidemiologie in den Herkunftsländern ist wesentlich

Dtsch Arztebl 2017; 114(9): A-422 / B-366 / C-356

Gerste, Ronald D.

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Weltweit sind Schätzungen zufolge 65 Millionen Menschen von ihrem Wohnsitz vertrieben. Über die Mobilität der Menschen können sich Infektionskrankheiten verbreiten. Die Zunahme von antimikrobiellen Resistenzen (AMR) weltweit gilt als ein Faktor der Infektionsgefährdung. Eine australische Autorengruppe hat eine Recherche der internationalen Literatur zum Thema „Flüchtlinge und AMR“ vorgenommen. 17 Publikationen entsprachen den Qualitätskriterien des Reviews (1). 3 Arbeiten kamen aus Deutschland. Heudorf et al. (2) hatten von Jugendlichen, die unbegleitet aus Somalia, Afghanistan und Pakistan in Frankfurt angekommen waren, 9 Mal Penicillin- und Cephalosporin-resistente Enterobakterien isoliert, vorwiegend E. coli. Ein Team am Universitätsklinikum Mannheim dokumentierte 110 pädiatrische Patienten, die mit ein- oder mehrfach resistenten Bakterien besiedelt waren, am häufigsten E. coli, K. pneumoniae und MRSA. Reinheimer et al. fanden bei ihren Patienten in Frankfurt 47 resistente Bakterienspezies, vornehmlich E. coli, K. pneumoniae und A. baumannii. Die meisten waren gegen Chinolone resistent. Mit diesem Keimspektrum unterschieden sich die deutschen Ergebnisse etwas von den übrigen Studien, in denen vor allem Tuberkuloseerreger hohe Resistenzraten aufwiesen.

Fazit: „Diese Reviewarbeit zeigt, dass bei Asylbewerbern und Migranten die jeweilige Epidemiologie des Herkunftslandes beachtet und mit erhöhten Raten von antibiotikaresistenten Erregern gerechnet werden muss“, kommentiert Prof. Dr. med. Gerd Fätkenheuer von der Klinik I für Innere Medizin der Universitätsklinik Köln. „Grundsätzlich sind allerdings Metaanalysen, in denen unterschiedliche Studien mit zum Teil fraglicher Qualität aus verschiedenen Regionen gemeinsam bewertet werden, kritisch zu betrachten, wenn die Frage nach der Verbreitung von antimikrobiellen Resistenzen beantwortet werden soll.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. de Smalen AW, Ghorab H, El Ghanyet MA, et al.: Refugees and antimicrobial resistance: a systematic review. Travel Medicine and Infectious Disease 2016; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.tmaid.2016.12.001.
  2. Heudorf U, Krackhardt B, Karathana M, et al.: Multidrug-resistant bacteria in unaccompanied refugee minors arriving in Frankfurt am Main, Germany, October to November 2015. Euro Surveill 2016: 21.

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