POLITIK

Klinische Intelligenz: Unterstützung bei der Diagnose

Dtsch Arztebl 2017; 114(9): A-407 / B-353 / C-344

Osterloh, Falk

Verschiedene Projektgruppen arbeiten derzeit daran, die Abläufe in deutschen Krankenhäusern mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu verbessern. Dabei geht es ebenso um die Diagnosestellung wie um die OP-Auslastung.

OP-Saal der Zukunft: Die medizinischen Geräte sollen miteinander kommunizieren, um die Abläufe im Krankenhaus effizienter zu gestalten. Foto: KARL STORZ Endoskope
OP-Saal der Zukunft: Die medizinischen Geräte sollen miteinander kommunizieren, um die Abläufe im Krankenhaus effizienter zu gestalten. Foto: KARL STORZ Endoskope

Der Terminus, in dem sich im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) derzeit alle Hoffnungen und Sorgen bündeln, lautet „Watson“. Von der Firma IBM als semantische Suchmaschine entwickelt, werden seine Fähigkeiten derzeit in zahlreichen Lebensbereichen erprobt: als Zahlungsmittel im Supermarkt, als intelligenter Begleiter bei Autofahrten oder zum Einscannen von Krankenhausakten beim japanischen Versicherungsunternehmen Fukoku Mutual Life. Wie der Versicherer mitteilte, seien unlängst 34 Angestellte durch die Software von IBM ersetzt worden. Auch in manchen Krankenhäusern kommt sie bereits als Hilfe bei der Diagnosestellung zum Einsatz.

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Watson bildet dabei nur die Speerspitze. Auch verschiedene andere Firmen arbeiten derzeit daran, das Gesundheitswesen mithilfe von KI im Krankenhaus zu revolutionieren. Einige dieser Projekte werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Technologieprogramms „Smart Data – Innovationen aus Daten“ finanziell unterstützt. Mit ihnen sollen die Diagnosestellung oder die logistischen Abläufe im Krankenhaus verbessert werden.

Software sendet Alarm

Ziel des Projekts „KDI – Klinische Datenintelligenz“ ist es, die im Gesundheitswesen vorhandenen Datensätze zusammenzutragen und deren Auswertung mithilfe von KI zu automatisieren. „Ein neuer Aspekt in der Medizin des 21. Jahrhunderts ist vor allem die schiere Menge an den zur Verfügung stehenden Daten“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Volker Tresp von der Siemens AG. Diese Datenmenge werde mittelfristig die behandelnden Ärzte und Pfleger überfordern.

„Bei KDI werden in die Software zunächst alle zur Verfügung stehenden Daten sowohl über den zu behandelnden Patienten als auch über die jeweilige Krankheit eingegeben“, sagt Tresp. Dazu gehören genetische Informationen ebenso wie allgemeine Statistiken zu den jeweiligen Krankheiten. „Auf der Basis der eingegebenen Daten macht die Software dem behandelten Arzt einen konkreten Vorschlag, welches Medikament in welcher Dosierung für den Patienten am geeignetsten ist“, erklärt Tresp. Erprobt wird die Software zum Beispiel in Zusammenarbeit mit einer Münchner Augenklinik, die die Altersfehlsichtigkeit behandelt. „Dafür stehen etwa zehn bis 20 Medikamente zur Verfügung, von denen die Software das passendste vorschlägt“, so Tresp.

Ziel sei zudem, unerfahrenen Ärzten Hinweise an die Hand zu geben. „Zum Beispiel könnte die Software einen Alarm senden, wenn der Arzt eine Medikation vorsieht, die nicht der bestmöglichen Medikation entspricht, die unsere Software errechnet hat“, sagt Tresp. „Natürlich kann er dann trotzdem von diesem Vorschlag abweichen. Rechtlich geklärt werden muss, welche haftungsrechtlichen Folgen das nach sich ziehen könnte.“ 

Vernetzung der OP-Geräte

Das Projekt „InnOPlan“ soll die medizinischen Geräte im Krankenhaus miteinander vernetzten, um die OP-Planung sowie die Verfügbarkeit von Geräten zu optimieren. „Durch den demografischen Wandel und die Einführung des DRG-Systems in Deutschland sind Krankenhäuser steigendem Kostendruck ausgesetzt“, sagt Dr. Lars Mündermann von der Karl Storz GmbH & Co. KG, der das Projekt leitet. „Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssen Prozesse im Operationssaal effizienter gestaltet werden.“ Ziel des Projekts sei es, medizinische Geräte so zu erweitern, dass sie nicht nur ihre technische Funktion erfüllten, sondern zusätzlich eine Datenintelligenz bereitstellten, durch die klinische Prozesse besser vernetzt werden könnten. Mit dem „Datenstrom der OP-Geräte“ soll „der OP-Fortschritt automatisiert erkannt und das betreffende Personal benachrichtigt werden“, so Mündermann.

Falk Osterloh

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