ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2017Psychotherapeuten im kassenärztlichen System: Am unteren Ende

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Psychotherapeuten im kassenärztlichen System: Am unteren Ende

PP 16, Ausgabe März 2017, Seite 97

Bühring, Petra

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Der Jahresbericht zur Einkommenssituation von Kassenärzten und -psychotherapeuten, den das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) gerade vorgelegt hat, zeigt erneut, dass Psychotherapeuten deutlich weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Arzteinkommens verdienen (siehe Seite 106). Im sogenannten ZI-Praxis-Panel wurden 2015 rund 5 000 Praxen zu ihrer wirtschaftlichen Situation in den Jahren 2011 bis 2014 befragt. Zwar stieg auch in der Fachgruppe Psychotherapie in diesem Zeitraum der Jahresüberschuss leicht an, nämlich um 0,4 Prozent; der durchschnittliche Jahresüberschuss aller Fachgruppen liegt jedoch bei 3,7 Prozent. Deutlicher wird das Auseinanderdriften der Einkommen bei der Summe des Jahresüberschusses 2014, der bei Psychotherapeuten 70 664 Euro betrug, während er sich beim Durchschnitt aller Fachgruppen auf 156 204 Euro belief, wobei Psychotherapie und Psychosomatische Medizin (74 951 Euro) den Schnitt der Fachgruppen deutlich absenken. Jahresüberschuss ist erst dann Jahreseinkommen, wenn davon Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung, Einkommenssteuer und Investitionen abgezogen wurden.

Eine bessere Vergütung psychotherapeutischer Leistungen fordert die Koalition aus Deutscher Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV), Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) und Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP), deren Kandidaten in der neuen KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) mitentscheiden wollen. Diese sechs Kandidaten der Koalition haben die Unterstützung der Psychotherapeuten aus allen Kassenärztlichen Vereinigungen: Barbara Lubisch, Gebhard Hentschel, Anke Pielsticker und Michael Ruh von der DPtV, Ulrike Böker vom bvvp und Bernhard Moors, VAKJP. Die Kandidaten haben jeweils zwei Stellvertreter in der VV. Die Verbände-Koalition will darüber hinaus die reformierte Psychotherapie-Richtlinie, die zum 1. April in Kraft tritt, „mit Leben füllen“. Der Artikel „Umfassende Strukturreform“ aus dem Hause der KBV informiert über die neuen Behandlungsoptionen und Änderungen der bestehenden Inhalte der Psychotherapie-Richtlinie und der Psychotherapie-Vereinbarung (Seite 103). Wie hoch die neuen Leistungen bewertet werden, ist allerdings noch nicht geklärt.

Zur Wahl in die KBV-VV nicht mehr angetreten sind die langjährigen Vertreter der Psychotherapeuten, Dieter Best (DPtV) und Jürgen Doebert (bvvp). Auch der Vorsitzende der VV, der Psychotherapeut Hans-Jochen Weidhaas, stellte sich nicht mehr zur Wahl. Als stellvertretende VV-Vorsitzende wollte die DPtV-Bundesvorsitzende Barbara Lubisch kandidieren. Die Wahl fand indes nach Redaktionsschluss von PP statt (die Berichterstattung erfolgt in PP 4). Damit hätte dann zumindest eine Psychotherapeutin eine KBV-Spitzenfunktion inne. Psychotherapeuten konnten nämlich per se nicht für einen dritten KBV-Vorstandsposten kandidieren. Nach den Vorgaben des GKV-Selbst­verwaltungs­stärkungs­gesetzes muss der KBV-Vorstand erstmals aus drei Mitgliedern bestehen: ein Hausarzt, ein Facharzt und einer, der keinem der beiden Versorgungsbereiche angehört. Psychotherapeuten werden hier zu den Fachärzten gezählt.

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