ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2017Mentalisieren: Praktische Inspirationen für die Therapie

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Mentalisieren: Praktische Inspirationen für die Therapie

Behrens, Stefan

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Das Konzept der Mentalisierungsbasierten Therapie findet immer mehr Zulauf. Besonders interessant erscheint dabei, dass es sich explizit nicht um eine neue Therapiemethode handelt, sondern vielmehr um ein Hervorheben grundlegender Erlebens- und Verhaltensmuster im Verstehen und Reflektieren des gemeinsamen Miteinanders. Quasi ein Reflektieren des eigenen Selbst im Wahrnehmen und Erleben des anderen und des Inneren des anderen im eigenen Wahrnehmen und Erleben. Auf jeden Fall ist der soziale Bezug beim Mentalisieren besonders bedeutsam, sodass „Mentalisieren in Gruppen“ durch die Vielfältigkeit von Beziehungen einen sehr guten Einstieg in die Thematik ermöglicht.

Die Autoren geben zu Beginn einen weitreichenden, wenn doch kompakten Einblick in die moderne Gruppenpsychotherapie, vorrangig vor einem psychodynamischen Hintergrund. Dem schließen sich innerhalb der „Grundlagen des Mentalisierens und in der Mentalisierungsbasierten Psychotherapie in Gruppen“ weitere Einblicke etwa in die „neurobiologischen Wechselwirkungen“, der Sprachentwicklung, Affektregulation oder Störungen des Mentalisierens an, bevor es zum Herzstück des Buches geht.

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Denn die „Wesentlichen Prinzipien Mentalisierungsbasierter Gruppenpsychotherapie (MBT-G)“ beinhalten die praktischen Ansätze, Haltungen und Transferleistugen in den klinischen und psychotherapeutischen Alltag. Es wird sich erfolgreich bemüht, dem hohen Niveau, das bislang durch die umfassend wissenschaftlich fundierten Grundlagen und Einordnungen gesetzt wurde, weiterhin gerecht zu werden. Verweise auf vergleichende und bestätigende Studien sind daher stetiger Begleiter der anwendungsorientierten und praktisch gut aufgearbeiteten Inhalte. Fallbeispiele oder humoristische Einlagen lockern dabei immer wieder gekonnt auf, die Autoren werden also auch beim Leser mentalisierungsfördernd wirksam. Anhand von Fallvignetten werden unter anderem Affekt- und Gruppenregulations- sowie Techniken zur richtigen Fragenstellung in Gruppen oder den Umgang mit Vorstufen des Mentalisierens („prämentalistischen Modi“) skizziert.

In den abschließenden Kapiteln geht es um die Fort- und Weiterbildung in MBT-G, den aktuellen Forschungsstand oder die Arbeit mit Psychose-Patienten. Letzteres gilt weiterhin als besondere Herausforderung in psychodynamischen Therapien. Es wird aufgezeigt, wie Gruppenpsychotherapien, die das Mentalisieren fördern, Psychose-Erfahrene durch das gestützte Eingebundensein in soziale Kontexte und Narrative anderer in der Bewältigung von Wahn- oder der Symptomatik des gestörten Affekts im Zusammenhang mit der Erkrankung nachhaltig unterstützen können.

Die Autoren schaffen es also, das „Mentalisieren in Gruppen“ im Dickicht psychodynamischer und integrativer Gruppenpsychotherapie gekonnt zu platzieren. Sie heben umfassend und fokussiert die Vorteile des Mentalisierens in dieser Psychotherapieform hervor und machen auch durch ihre praktischen Inspirationen neugierig auf das Ausprobieren. Das Buch ist der erste Band der Reihe „Mentalisieren in Klinik und Praxis“, von denen noch weitere geplant sind. Stefan Behrens

Ulrich Schultz-Venrath, Helga Felsberger: Mentalisieren in Gruppen. Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2016, 216 Seiten, gebunden, 29,95 Euro

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