ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2017Malaria-Impfstoff: Ein hoffnungsvoller Kandidat

MEDIZINREPORT

Malaria-Impfstoff: Ein hoffnungsvoller Kandidat

Dtsch Arztebl 2017; 114(10): A-471 / B-407 / C-397

Zylka-Menhorn, Vera

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Tübinger Wissenschaftler erreichen mit einem neuartigen Konzept – der Gabe von Lebendimpfstoff und Chloroquin – bei Probanden eine Schutzwirkung von bis zu 100 Prozent.

Die Testung des Impfstoffkandidaten PfSPZ wird am Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen vorbereitet. Foto: Paul Mehnert/Universität Tübingen
Die Testung des Impfstoffkandidaten PfSPZ wird am Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen vorbereitet. Foto: Paul Mehnert/Universität Tübingen

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben in einer klinischen Studie mit einem neuen Impfstoffkonzept gegen Malaria eine Schutzwirkung von bis zu 100 Prozent erreicht. Wie Prof. Dr. med. Peter Kremsner, Institut für Tropenmedizin, und Priv.-Doz. Dr. med. Benjamin Mordmüller, Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), berichten, basiert der Impfstoff auf vollständig lebensfähigen, nicht abgeschwächten Malariaerregern; gleichzeitig wird das Malariamedikament Chloroquin verabreicht (Nature 2017; 542, 445–449). Bisherige Impfstoffkandidaten verwendeten meist einzelne Moleküle des Parasiten Plasmodium falciparum. Dies löste beim Menschen jedoch keine ausreichende Immunantwort aus.

An der Tübinger Studie nahmen 67 gesunde Probanden im Alter von 21 bis 45 Jahren teil, die noch nie an Malaria erkrankt waren. Von ihnen wurden 35 3-imal intravenös mit PfSPZ-CVac geimpft. Es wurden verschiedene Dosierungen und Intervalle verglichen.

  • Die beste Immunantwort zeigte sich in der Gruppe von 9 Probanden, die 3-mal in je 4-wöchigem Abstand den Impfstoff in einer hohen Dosierung (5.12 × 104) erhalten hatten. Alle verfügten über einen 100-prozentigen Impfschutz.
  • Die Dosierung 3.2 × 103 schützte 3 von 9 Probanden (33 %);
  • bei 1.28 × 104 waren es 6 von 9 (67 %);
  • 3 Dosierungen von 5.12 × 104 in 5-tägigem Abstand schützte 5 von 8 Probanden (6 3%).

Spezielle Proteom-Analyse

Postvakzinelle Blutuntersuchungen zeigten, dass die Parasiten vorübergehend im Blut nachweisbar sind. Der menschliche Organismus reagiert dann mit einer Immunantwort, die gegen 22 der 7 455 Proteine des Parasiten gerichtet ist; dies belegte eine Proteom-Analyse, die speziell für diese Studie entwickelt worden war. „Der Schutz entstand wahrscheinlich durch spezifische T-Lymphozyten und Antikörper-antworten gegen die Parasiten in der Leber“, erklärt Kremsner. Die Analyse von Immunreaktion und Proteinmuster könnten zu einer weiteren Verbesserung des Impfstoffs führen.

Doch die Tübinger Forscher verlassen sich bei ihrem Konzept nicht nur auf die Effektivität der Vakzine. Sie machten sich auch die Eigenschaften des Wirkstoffs Chloroquin zunutze. So gelangt Plasmodium falciparum nach Infektion des Menschen zunächst in die Leber, um sich dort zu vermehren. In dieser Inkubationsphase reagiert das Immunsystem zwar bereits, die Krankheit bricht aber noch nicht aus. Dies ist erst der Fall, wenn der Erreger wieder ins Blut gelangt und sich in den Erythrozyten einnistet. Hier setzt die Chemoprophylaxe mit Chloroquin an; sie soll die weitere Vermehrung des Parasiten und damit den Ausbruch der Malaria unterbinden.

Klinische Studie in Gabun

„Durch die Impfung mit einem lebenden und zuerst nicht abgeschwächten Erreger ist es uns ganz offensichtlich gelungen, eine sehr starke Immunantwort auszulösen“, sagt Studienleiter Mordmüller. „Darüber hinaus deuten die bisher vorliegenden Daten darauf hin, dass wir es mit einem vergleichsweise stabilen und lange anhaltenden Impfschutz zu tun haben.“ In der Gruppe der Probanden mit 100-prozentigem Impfschutz sei dieser auch 10 Wochen nach der Impfung noch zuverlässig vorhanden, eine messbare Immunantwort noch wesentlich länger. Der neue Impfstoff habe sich zudem als sehr gut verträglich erwiesen.

Im nächsten Schritt folgt eine mehrjährige klinische Studie in Gabun. Dabei soll geprüft werden, ob der Impfstoff auch gegen den heutigen Wildtyp der Plasmodien wirksam ist und ob die Schutzwirkung langfristig anhält. Die Universität Tübingen kooperiert in Gabun seit vielen Jahren mit dem von Albert Schweitzer gegründeten Hospital in Lambaréné sowie dem benachbarten medizinischen Forschungszentrum, dem Centre de Recherches Médicales de Lambaréné.

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

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