BRIEFE

Euthanasie: Damals und heute

Dtsch Arztebl 2017; 114(10): A-480 / B-416 / C-406

Runne, Ulf

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Im Nazi-Deutschland haben einige Ärzte unsägliche Verbrechen verübt. Allein in der sogenannten „Euthanasie“-Aktion wurden mehr als 70 000 geistig oder körperlich behinderte Menschen als „lebensunwert“ von Ärzten (!) systematisch getötet, richtig muss man sagen: ermordet. 1945 hieß es deshalb „Nie wieder!“

Dennoch werden heute in Deutschland Tag für Tag massenhaft Kinder vor ihrer Geburt ohne medizinische Indikation getötet. Seit der Liberalisierung des Strafrechts 1974 (Indikationenregelung) und 1995 (Beratungsregelung) sind es – unter Einbeziehung der nicht gemeldeten Abtreibungen – inzwischen mehr als 10. Mio. Kinder. Und wieder sind es Ärzte, die es tun.

Jeder Arzt kann sich an diesen massenhaften Tötungen ungehindert beteiligen und sogar seine gesamte Tätigkeit darauf gründen. Dass dies alles straffrei gestellt wurde, mindert das Unrecht nicht im Geringsten. Diese fortgesetzte „legale Rechtswidrigkeit“ ist ein Menetekel für die Ärzteschaft und unseren sozialen Rechtsstaat. Offensichtlich handelt es sich hier um das dunkelste Kapitel des deutschen Ärztestandes. Wie lange soll diese Lebensvernichtung noch fortgesetzt werden?

Prof. Dr. med. Ulf Runne, 60433 Frankfurt am Main

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    EEBO
    am Samstag, 1. April 2017, 15:17

    Danke für Ihren Kommentar!

    Das sehe ich auch so! Hier wurde bewußt nicht nur ein ungeheures Verbrechen und Zivilisationsbruch mit dem Thema Abtreibung gleichgesetzt, sondern auch eine neue Variante von Totschlagargument konstruiert (was soll man schließlich gegen einen Nazivorwurf noch vernünftig sagen können?). Bei aller Pluralität, die ich sonst am DÄB schätze, finde ich auch, daß eine solche Meinung von mir aus hier ins Forum, nicht aber in die Printausgabe gehört.
    Jörg Wiesenfeldt
    am Freitag, 31. März 2017, 18:24

    Bigotterie

    Sicher werden in allen westeuropäischen Gesellschaften viel zu viele ungeborene Kinder durch Abtreibung getötet. Dies aber in einem Atemzug mit den Massenmörder der Nazi-Euthanasie-Ärzte zu diskutieren, mit der irrsinnigen Grandiosität, es handele sich um das "dunkelste Kapitel des deutschen Ärztestandes", ist nicht nur eine unverzeihliche Verharmlosung der schlimmsten Verbrechen, sondern auch eine Entgleisung gegenüber vielen aktiven Kolleginnen und Kollegen, für die sich Herr Prof. Dr. Runne entschuldigen sollte. Das Ärzteblatt sollte sich fragen, welchem Ziel der Abdruck solcher Briefe dient.

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