ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2017Fortgeschrittenes Urothelkarzinom: PD-1-Inhibitor Pembrolizumab verlängert Lebenszeit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Urothelkarzinom: PD-1-Inhibitor Pembrolizumab verlängert Lebenszeit

Meyer, Rüdiger

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Der PD-1-Inhibitor Pembrolizumab hat in einer Phase-3-Studie die Überlebenszeit von Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom in der Second-Line-Therapie um fast drei Monate verlängert – bei besserer Verträglichkeit.

Mittel der Wahl ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Cisplatin. Die Überlebenszeiten betragen allerdings nur etwa 9 Monate, beziehungsweise 12 bis 15 Monate unter einer Kombinationstherapie. Nach dem Versagen von Cisplatin erhalten die Patienten eine Chemotherapie mit Vinflunin oder einem Taxan. Der Nutzen dieser „Salvage“-Therapie ist jedoch umstritten.

Die KEYNOTE-045-Studie hat diese Zytostatikabehandlung in der Zweit-Linien-Therapie jetzt mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab verglichen, der die körpereigene Immunabwehr gegen Krebszellen fördert. An der internationalen Studie nahmen 542 Patienten mit Urothelkarzinom teil, bei denen eine First-Line-Therapie keine Wirkung (mehr) erzielt hatte. Die Patienten wurden auf Pembrolizumab (200 mg/kg i. v.) eingestellt oder mit einer konventionellen Chemotherapie (Docetaxel, Paclitaxel oder Vinflunin) weiterbehandelt, wobei es den Onkologen überlassen blieb, welchen Wirkstoff sie einsetzten.

Die beiden primären Endpunkte der Studie waren das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben. Wie Joaquin Bellmunt vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston berichtet, wurde das Ziel im ersten primären Endpunkt verfehlt. Bis zur erneuten Tumorprogression vergingen in der Pembrolizumab-Gruppe 2,1 Monate (95-%-KI: 2,0–2,2) gegenüber 3,3 Monaten (95-%-KI: 2,3–3,5) unter Chemotherapie. Trotzdem war die Gesamtüberlebenszeit in der Pembrolizumab-Gruppe mit 10,3 Monaten länger als unter Chemotherapie, wo die Patienten im Durchschnitt noch 7,4 Monate lebten (HR 0,73; 95-%-KI: 0,59–0,91; p = 0,002).

Pembrolizumab zeichnete sich durch bessere Verträglichkeit aus: Die Nebenwirkungsrate war mit 60,9 % versus 90,2 % niedriger als in der Zytostatika-Gruppe. Schwere Komplikation (Grad 3 bis 5) waren unter Pembrolizumab ebenfalls seltener (15,0 % versus 49,4 %).

Fazit: Der Überlebensvorteil unter Pembrolizumab zeigte sich in fast allen Subgruppen und war unabhängig von der Wahl des Zytostatikums. Das bessere Sicherheitsprofil im Vergleich zur Standard-Chemotherapie ist wichtig, wenn man bedenkt, dass Patienten mit rezidivierendem oder refraktärem urothelialem Karzinom im Allgemeinen älter sind und zahlreiche Komorbiditäten aufweisen. Rüdiger Meyer

New England Journal of Medicine (2017; doi: 10.1056/NEJMoa1613683)

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