ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2017Progredientes Leberzellkarzinom: Wirksamkeit von Regorafenib in der Zweitlinie belegt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Progredientes Leberzellkarzinom: Wirksamkeit von Regorafenib in der Zweitlinie belegt

Dtsch Arztebl 2017; 114(10): A-474 / B-410 / C-400

Siegmund-Schultze, Nicola

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Für 2016 wird mit circa 9 500 Neudiagnosen von Lebertumoren in Deutschland gerechnet (1). Die Überlebensrate 5 Jahre nach Diagnose liegt bei lediglich 14 %. Hepatozelluläre Karzinome (HCC) machen circa 66 % der Tumoren aus. In fortgeschrittenen Stadien wächst es auch extrahepatisch und/oder hat zu einer makroskopischen vaskulären Invasion geführt.

Das HCC ist weitgehend resistent gegenüber Chemotherapien und so gab es lange Zeit keine Therapieoption für die Patienten. Seit 10 Jahren steht der Multikinase-Inhibitor Sorafenib zur Verfügung. Klinische Prüfungen anderer Substanzen brachten dann allerdings keinen weiteren Fortschritt in der Erst- oder Zweitlinientherapie. Nun belegt eine randomisierte, doppelblinde Untersuchung, dass sich mit dem Multikinase-Inhibitor Regorafenib nach Sorafenibtherapie ein ähnlich großer Überlebensvorteil erzielen lässt wie mit Sorafenib vs. Placebo in der Erstlinie.

573 Patienten mit fortgeschrittenem HCC (Leberfunktion: Child-Pugh A), die Sorafenib toleriert hatten, aber progredient geworden waren, wurden 2 : 1 randomisiert in eine Gruppe, die Regorafenib oral erhielt und eine 2. Gruppe mit Placebo (jeweils 3 von 4 Wochen bis zum Progress nach RECIST-Kriterien; [2]). Das mediane progressionsfreie Überleben lag bei 3,1 Monaten in der Verumgruppe und 1,5 Monaten im Placeboarm (Hazard Ratio [HR]: 0,46; 95-%-Konfidenzintervall [KI] [0,37; 0,56]; p < 0,0001). Auch das Gesamtüberleben unterschied sich signifikant: median 10,6 Monate im Verumarm und 7,8 Monate unter Placebo (HR: 0,63; 95-%-KI [0,50; 0,79]; p < 0,0001).

Ein Vorteil für Regorafenib im Gesamtüberleben bestand in allen Subgruppen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Ätiologie des HCC, Allgemeinzustand und Tumorlokalisationen. Nebenwirkungen Grad 3/4 traten bei 67 % im Verumarm auf und bei 41 % unter Placebo. Bluthochdruck und Hand-Fuß-Syndrom gehörten zu den wichtigsten, mit Regorafenib assoziierten unerwünschten Effekten.

Fazit: Eine Zweitlinienbehandlung mit Regorafenib verlängert bei fortgeschrittenem HCC das Gesamtüberleben signifikant um median fast 3 Monate im Vergleich zu Placebo, so das Ergebnis einer großen, Phase-3-Studie. Prof. Dr. med. Robert Thimme von der Klinik für Innere Medizin II Gastroenterologie, Hepatologie, Endokrinologie, Infektiologie des Universitätsklinikums Freiburg, Ärztlicher Direktor kommentiert: „Mit Regorafenib steht nun erstmals eine systemische Zweitlinientherapie für Patienten mit HCC zur Verfügung, die unter einer Therapie mit Sorafenib einen Progress aufweisen. Dies ist ein wichtiger Hoffnungsschimmer, nachdem in den letzten Jahren sämtliche Phase-2- und -3-Studien keinen Überlebensvorteil ergeben hatten. Weitere Studien sollten nun den Nutzen einer Kombination von Regorafenib mit anderen systemischen oder ablativen Therapien prüfen.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Krebs in Deutschland 2011/2012.
    Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Robert Koch-Institut Berlin 2015
  2. Bruix J, Qin S, Merle P, et al.: Regorafenib for patients with hepatocellular carcinoma who progressed on sorafenib treatment (RESORCE): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet 2017; 389: 56–66.

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