ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1996Lohnfortzahlung – Modewort: „ausgebrannt“

SPEKTRUM: Leserbriefe

Lohnfortzahlung – Modewort: „ausgebrannt“

Witzmann, Rupert

Zur Diskussion der Krankschreibungspraxis
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LNSLNS . . . Daran, daß es Ärzte gibt, die Patienten recht schnell krankschreiben, besteht kein Zweifel, und es wäre angebrachter gewesen, schon vor längerer Zeit diese Ärzte aufzufordern, unser Ansehen mit solchen Gefälligkeiten nicht aufs Spiel zu setzen. Und auch die Krankenkassen hätte man auffordern können, nicht mehr für Aerobics, Indoor-climbing und Bauchtanz zu bezahlen.
Ich nehme diese Gelegenheit wahr, um gleichzeitig zu den zunehmenden Beiträgen von psychologischer Seite Stellung zu nehmen, wonach sich in den medizinischen Assistenzberufen (schon nach einer 40-StundenWoche!) die Menschen "ausgebrannt" fühlen und spezifischer Hilfe bedürfen, oder wonach 30 bis 50 Prozent der Patienten mit psychogenen Beschwerden von niedergelassenen Ärzten nicht ausreichend diagnostiziert beziehungsweise behandelt werden.
Sicher gibt es eine immer größere Zahl von psychogenen Erkrankungen, aber man braucht sie mit Modewörtern wie "ausgebrannt" nicht auch noch zu erhöhen! Psychogene Erkrankungen sind den Ärzten seit 100 Jahren bekannt und werden von jedem erfahrenen Arzt berücksichtigt. Ich glaube einfach nicht, daß 35 Prozent der Patienten einer durchschnittlichen Praxis einer psychosomatischen Grundversorgung bedürfen, und wehre mich dagegen, daß sich die Psychotherapie mit der Forderung von Theorieseminaren und Grundkursen für angeblich unbedarfte Praktiker in der klassischen Medizin verankert.
Dr. Rupert Witzmann, Fichtenstraße 32, 82178 Puchheim

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