Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wir bedanken uns für das große Interesse an der Therapie chronischer neuropathischer Schmerzen. Ein Fortbildungsartikel kann aufgrund der Umfangs-Limitationen nicht alle Details umfassend darstellen. Umso wichtiger sind Hinweise der Leser zu praxisrelevanten Inhalten, die wir gerne diskutieren.

Die im Lancet Neurology publizierte Metaanalyse von Finnerup et al. weist für die Substanzklassen der trizyklischen Antidepressiva (TCA) 16 positive Studien für die Substanzen Amitriptylin, Clomipramin, Desipramin, Imipramin, Maprotilin und Nortriptylin aus (1). Dennoch wird eine generelle Empfehlung zum Einsatz von TCAs gegeben, die sich nicht an der Evidenz für die Wirksamkeit einer Einzelsubstanz orientiert. Dieses basiert auf dem in der Therapie neuropathischer Schmerzen mittels TCAs postulierten Prinzip, dass der analgetische Effekt über eine Modifikation der Funktionalität deszendierender noradrenerger (und serotonerger) Systeme erzielt wird (2). Da dieses Wirkprinzip der Gruppe der TCAs gemein ist, wird eine generelle Empfehlung ausgesprochen (1). Die Nichtnennung des SSNRI Milnacipran ist in dem Fehlen – entgegen der Wirkstoffe Duloxetin und Venlafaxin – von Studien zur Therapie neuropathischer Schmerzen begründet. Die detaillierte Auflistung von Zulassungen, die ja auch bei gleicher Grundsubstanz unter den Herstellern variieren können, überschreitet den Umfang eines Fortbildungsartikels in vorliegender Form. Aus diesem Grund haben wir explizit auf diesen Umstand in unserem Artikel hingewiesen.

Die Anwendung jedes Medikaments zur Schmerztherapie setzt zunächst eine Diagnose voraus. Dieses ist auch in unserem dargestellten Therapiealgorithmus der Schritt Nummer eins. Wir stimmen daher Herrn Kollegen Hoffmann zu, dass eine unkritische Verordnung nicht erfolgen sollte, wie auch nicht von uns formuliert. Vielmehr ist auf eine Behandlung im Indikationsgebiet, zum Beispiel neuropathische Schmerzen, zu achten.

Das Konzept des „Mixed-Pain“ ist ein durch die Europäische Arzneimittelagentur in der Leitlinie für die Entwicklung von Schmerztherapien akzeptierte Konstellation bei Schmerzpatienten (3). Die Radikulopathie ist ein häufig nur unzureichend ansprechendes Schmerzsyndrom, wie auch zum Beispiel die chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (1). Nicht bei jedem Rückenschmerz-Patienten ist eine neuropathische Schmerzkomponente vorliegend. Vielmehr weisen wir darauf hin, dass die Prävalenz zwischen 16 und 25 % liegt. Somit ist offensichtlich, dass nicht jeder Patient mit Rückenschmerzen eine Schmerzlinderung durch Medikamente erfahren kann, die gezielt auf neuropathische Schmerzen wirken. Weiterhin haben wir offen die Wirksamkeit von Pregabalin in der Therapie neuropathischer Schmerzen mittels der „Number Needed to Treat“ (NNT) beziffert. Bei einer NNT von 7,7 ist klar erkennbar, dass nicht bei jedem Patienten mit neuropathischen Schmerzen eine ausreichende Schmerzreduktion mittels Pregabalin-(Mono)Therapie erzielt werden kann. Diese Schwierigkeiten in der Pharmakotherapie chronisch neuropathischer Schmerzen aufzuzeigen und mögliche Ansätze zur Linderung der Schmerzen zu vermitteln waren daher das Ziel unseres Fortbildungsartikels (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0193

PD Dr. med. Andreas Binder, Prof. Dr. med. Ralf Baron
Sektion Neurologische Schmerzforschung und Therapie
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
andreas.binder@uksh.de

Interessenkonflikt
PD Dr. Binder erhielt Honorare für Beratertätigkeiten von Pfizer, Grünenthal, Astellas und Mundipharma. Teilnahmekosten für Kongresse, Reise- und Übernachtungskosten wurden ihm erstattet von Astellas, Pfizer und Grünenthal. Er wurde für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen honoriert von Astellas, Pfizer und Grünenthal. Für ein von ihm initiiertes Forschungsvorhaben erhielt er Gelder von Grünenthal und Pfizer.

Prof. Baron erhielt Honorare für Beratertätigkeiten von Pfizer, Genzyme, Grünenthal, Mundipharma, Allergan, Sanofi Pasteur, Medtronic, Eisai, Lilly, Boehringer Ingelheim, Astellas, Novartis, Bristol Myers-Squibb, Biogenidec, AstraZeneca, Merck, Abbvie, Daiichi Sankyo, Glenmark Pharmaceuticals, Seguris, Teva, Genetech, Galapagos und Kyowa Kirin GmbH. Honorare für eine Autoren- beziehungsweise Co-Autorenschaft für eine Publikation, bei der ein Bezug zum Thema besteht, bekam er von Pfizer, Genzyme, Grünenthal, Mundipharma, Sanofi Pasteur, Medtronic, Eisai, Lilly, Boehringer Ingelheim, Astellas, Desitin, Teva Pharma, Bayer-Schering MSD, Seguris, Novartis, Bristol Myers-Squibb, Biogenidec, AstraZeneca, Merck, Abbvie, Daiichi Sankyo und Glenmark Pharmaceuticals.

Er erhielt Erstattung von Teilnahmegebühren für Kongresse, Reise- und Übernachtungskosten sowie Honorare für Vorträge von Pfizer, Genzyme, Grünenthal, Mundipharma, Sanofi Pasteur, Medtronic, Eisai, Lilly, Boehringer Ingelheim, Astellas, Desitin, Teva Pharma, Bayer-Schering, MSD und bioCSL. Für die Durchführung von klinischen Auftragsstudien wurde er honoriert von Grünenthal und Pfizer. Für ein von ihm initiiertes Forschungsvorhaben wurde er finanziell unterstützt von Pfizer, Genzyme, Grünenthal und Mundipharma.

1.
Finnerup NB, Attal N, Haroutounian S, et al.: Pharmacotherapy for neuropathic pain in adults: A systematic review and meta-analysis. Lancet Neurol 2015; 14: 162–73 CrossRef
2.
Baron R, Binder A, Wasner G: Neuropathic pain: Diagnosis, pathophysiological mechanisms, and treatment. Lancet Neurol 2010; 9: 807–19 CrossRef
3.
Guideline on the clinical development of medicinal products intended fort the treatment of pain. 6.2.4. Mixed Pain. European Medicines Agency Science Medicines Health. 17 Dezember 2015; EMA/CHMP/970057/2011.
4.
Binder A, Baron R: The pharmacological therapy of chronic neuropathic pain. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 616–26 VOLLTEXT
1. Finnerup NB, Attal N, Haroutounian S, et al.: Pharmacotherapy for neuropathic pain in adults: A systematic review and meta-analysis. Lancet Neurol 2015; 14: 162–73 CrossRef
2. Baron R, Binder A, Wasner G: Neuropathic pain: Diagnosis, pathophysiological mechanisms, and treatment. Lancet Neurol 2010; 9: 807–19 CrossRef
3. Guideline on the clinical development of medicinal products intended fort the treatment of pain. 6.2.4. Mixed Pain. European Medicines Agency Science Medicines Health. 17 Dezember 2015; EMA/CHMP/970057/2011.
4.Binder A, Baron R: The pharmacological therapy of chronic neuropathic pain. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 616–26 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige