ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2017Vorsicht bei Glaskörpertrübung
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Ungezählt sind die Patienten im typischen Alter (ab circa 40 Jahren), die sich – nachdem sie radiologisch, HNO-ärztlich, neurologisch und so weiter abgeklärt sind – mit typischen Beschwerden (schwankendes Sehen, Augen- und Kopfschmerzen, Schwindel bis zur Übelkeit) schließlich beim Augenarzt vorstellen.

Es dürfte in den meisten derartigen Fällen medizinisch richtig und gesundheitsökonomisch geboten sein, erst den naheliegenden Ametropie-Verdacht augenärztlich abzuklären, bevor kostspielige weitere Untersuchungen zu Lasten der Versichertengemeinschaft stattfinden. Dringliche Fälle werden in der Regel am selben Tag augenärztlich abgeklärt.

Die Prüfung mit der stenopäischen Lücke ist für Nicht-Augenärzte zweifellos empfehlenswert, wenn sie eindeutig ausfällt, zumal dann, wenn es zeitlich/räumlich keine bessere Alternative der Prüfung gibt. Sie ist mit ein wenig Übung gut durchführbar, auch ohne spezifische augenärztliche Vorbildung.

Aber Vorsicht: Bei einer Sehverschlechterung durch Glaskörpertrübung kann eine stenopäische Lücke die Sehleistung mal herabsetzen, mal verbessern, was den unerfahrenen Untersucher überraschen kann, wenn er den Empfehlungen des Artikels (1) folgt. Eine Glaskörpertrübung kann ein harmloses Symptom des alternden Glaskörpers, Zeichen einer Netzhautablösung oder sogar einer Vitritis (Glaskörperentzündung) bei Uveitis (Aderhautentzündung) sein.

Es sollte also nur bei wirklich eindeutiger und reproduzierbarer Besserung der zentralen Sehschärfe mit stenopäischer Lücke von einem harmlosen Refraktionsfehler als Ursache von Sehbeschwerden ausgegangen werden, die zu Recht in Ruhe zu einem anderen Zeitpunkt abgeklärt werden können.

Ein Beispiel: Wie oft prüfen Augenärzte die Sehschärfe von Kindern, die beim Kinderarzt keine verwertbaren Angaben gemacht haben – obwohl dies zum Standard der U-Untersuchungen gehört? Die stenopäische Lücke bei Kindern einzusetzen, bietet sich jedoch nicht an, weil dies erfahrungsgemäß zu starker Akkommodation führt.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0195b

PD Dr. med. Dipl.-Phys. Jean-Cyriaque Barry

Praxis für Augenheilkunde

Solingen

drbarry.augen@arcor.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schiefer U, Kraus C, Baumbach P, Ungewiß J, Michels R: Refractive errors—epidemiology, effects and treatment options. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 693–702. VOLLTEXT
1.Schiefer U, Kraus C, Baumbach P, Ungewiß J, Michels R: Refractive errors—epidemiology, effects and treatment options. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 693–702. VOLLTEXT

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