ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1999Krankenhauskonzerne: Talsohle durchschritten

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Krankenhauskonzerne: Talsohle durchschritten

Clade, Harald

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LNSLNS Die meisten der sieben börsennotierten Klinikkonzerne haben die seit 1996 anhaltende Flaute und Umsatzbrüche sowohl im Akutkrankenhausbereich als auch im Bereich der Anschlußrehabilitation und Pflege überwunden und befinden sich seit dem vergangenen Jahr wieder im Aufwind. Dies geht aus den jüngsten Geschäftsberichten und Aktionärsbriefen der Rhön-Klinikum AG, Bad Neustadt/
Saale, der Maternus-Kliniken AG, Bad Oeynhausen, der Marseille-Kliniken AG, Hamburg, und der EifelhöhenKlinik AG, Bonn, hervor.
Rhön-Klinikum: 11 Prozent Plus
Bei der Rhön-Klinikum AG wurden im vergangenen Jahr der Umsatz um 11 Prozent, die Zahl der behandelten Patienten um 18 Prozent und der Konzernüberschuß um 32 Prozent gesteigert. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis erhöhte sich um zehn Prozent auf 81,4 Millionen DM. Die Umsatzerlöse nahmen 1998 um 97 Millionen DM auf 962,9 Millionen DM zu. Wie bei der Hauptversammlung am 15. Juli in Frankfurt/Main weiter berichtet wurde, haben die in der jüngsten Zeit übernommenen Krankenhäuser - die Klinik am Reinhardsberg, Walterhausen-Friedrichroda und die Krankenhäuser Herzberg und Osterode - mit 56,3 Millionen DM Bruttoerlösen besonders zum Umsatzwachstum des Konzerns beigetragen.
Andererseits ist das interne Wachstum des Konzerns auch auf den Ausbau der Tagesklinik und der Abteilung für Knochenmarktransplantation bei der Deutschen Klinik für Diagnostik (DKD) in Wiesbaden zurückzuführen. Zudem hat sich die Auslastung des Herzzentrums in Leipzig erneut erhöht; auch die neu eröffnete Klinik für Querschnittsgelähmte an der Zentralklinik Bad Berka (im Juni 1998) wirkte sich auf den Umsatz positiv aus. Die drei Geschäftszweige sorgten für ein Umsatzplus von jeweils rund 12 Millionen DM. Die Ambulanzerlöse betrugen 27 Millionen DM, nach 23 Millionen DM in 1997.
Der Überschuß bei Rhön-Klinikum AG stieg um 18,2 Millionen DM (von 56,1 Millionen DM im Jahr 1997 auf 74,3 Millionen DM im Jahr 1998). Dies entspricht einer Zunahme um 32 Prozent. Die Finanzkraft des Konzerns wurde ausweislich der Bilanz 1998 erneut verbessert. So beträgt die Eigenkapitalquote jetzt 32,5 Prozent (Vorjahr: 30,1 Prozent). Der Konzern begründet dies damit, daß nach den ab Herbst 1996 einsetzenden Umsatzeinbrüchen (branchenweit bis zu 30 Prozent) im Bereich der Rehabilitation ein Konzentrationsprozeß einsetzte, der sich inzwischen verstärkt fortsetzte.
Inzwischen sind 123 Kliniken geschlossen worden (-5,1 Prozent), und 66 570 Krankenhausbetten wurden abgebaut oder umgewidmet (-10,3 Prozent). Zugleich stieg die Fallzahl im vergangenen Jahr um 1,3 Millionen Patienten (+9 Prozent). Die Zahl der Krankenhäuser in privater Trägerschaft stieg um 41 (+12 Prozent), die Bettenzahl erhöhte sich um 6 222 (+24,5 Prozent); die Fallzahlen stiegen bundesweit um 226 331 (+48,9 Prozent).
Maternus: Expansion
Auch Maternus AG setzt auf weitere Expansion. Zur Zeit beschäftigt der Klinikkonzern 1 300 Mitarbeiter und betreibt 2 696 Betten (1998: 1 486 Betten bei 700 Mitarbeitern). Für das Geschäftsjahr 1998 erhalten die Aktionäre keine Dividende. Bei einem Umsatz von 70,8 Millionen DM wird ein negatives Jahresergebnis der AG in Höhe von 17,5 Millionen DM ausgewiesen. Das Unternehmen begründet dies vor allem mit einer "einmaligen, außerplanmäßigen Abschreibung auf den Beteiligungsbuchwert der Maternus KG in Höhe von 24,4 Millionen DM". Die auf "Null" abgeschriebene KG ist nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Freimuth Trägerin einer großen Rehabilitationsklinik in Bad Oeynhausen, die über mehrere Jahre wie andere Rehabilitationskliniken auch Belegungsprobleme hatte: 1999 hofft der Konzern erstmals wieder in schwarze Zahlen zu kommen. Für 1999 wird ein Gesamtumsatz in Höhe von 130 Millionen DM prognostiziert, der um etwa das 10,6fache über dem vergleichbaren Umsatz des Jahres 1996 (12,3 Millionen DM) liegen dürfte. Das Jahresergebnis 1999 soll den Prognosen zufolge bei etwa 11 Millionen DM liegen. Das Halbjahres-Ergebnis beträgt 5,8 Millionen DM. Der Gewinn je Aktie wird sich dann im Geschäftsjahr 1999 in der Größenordnung von einer DM bewegen.
Die Marseille-Kliniken AG, die neben Rehabilitationskliniken vor allem auch Einrichtungen der Pflege und Altenpflege betreibt, meldet für 1999 wieder Expansions-Aktivitäten und einen Aufwärtstrend. In den ersten neun Monaten 1999 ist der Konzernumsatz um neun Prozent auf fast 200 Millionen DM gestiegen (Vorjahreszeitraum: 183 Millionen DM). Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich im Konzern auf fast drei Millionen DM - gegen- über einem Verlust in Höhe von 2,2 Millionen DM in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Das Ergebnis im Konzern verbesserte sich nach Mitteilung der Klinikleitung auf 0,41 (0,02) DM je Aktie beziehungsweise insgesamt auf 4,99 (0,23) Millionen DM.
Eifelhöhen: Schwarze Zahlen
Die Eifelhöhen-Klinik AG, Bonn, mit den Standorten Nettersheim-Marmagen, Bonn und Zülpich (hier Geriatrisches Zentrum Zülpich GmbH) schreibt in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen. Allerdings mußte im Konzernjahr 1998 noch ein Verlust von 691 000 DM ausgewiesen werden. Im Geschäftsjahr 1997 lag der Konzernverlust noch bei 6,643 Millionen DM.
Das Stammhaus in Marmagen (Eifel), eine Rehabilitationsfachklinik, steigerte die Fallzahl seit 1996 um 4,4 Prozent auf 4 023. Allerdings ist die Belegung auf Grund der verkürzten Verweildauer und der Budgetierungsmaßnahmen erneut um 1,9 Prozent zurückgegangen. Dennoch stieg der Umsatz um 4,1 Prozent.
Sowohl die Kaiser-Karl-Klinik in Bonn (siehe DÄ 30/1999 Rubrik "Wirtschaft") des Konzerns als auch das Stammhaus sind gut ausgelastet. Erstmals erreichte die Bonner Klinik im März Vollbelegung (zur Zeit 124 Krankenhausbetten). Der Klinikkonzern hat neue Operationsfelder und Kooperationen angebahnt und prognostiziert in drei bis fünf Jahren einen Konzernumsatz von rund 500 Millionen DM.
Dr. Harald Clade

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