ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2017Integration: Nicht intransparent
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Mit großem Interesse habe ich ... den Artikel „Integration mit Hindernissen“ gelesen. Betrifft er doch vor dem Hintergrund des Ärztemangels sowie der wünschenswerten Integration ausländischer Fachkräfte eines der topaktuellen Themen unserer Zeit. Umso enttäuschter wurde ich jedoch beim weiteren Lesen.

Zwar ist es richtig, dass es durch den Föderalismus in Deutschland die unterschiedlichsten Verfahren bei der Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen gibt und hier eine Vereinheitlichung nicht nur im Interesse der Antragsteller/-innen sondern durchaus auch der Behörden liegt, die dies im Übrigen seit Jahren anstreben.

Aber zumindest für Hessen ist das Verfahren, soweit es um die Anerkennung für die akademischen Heilberufe geht, alles andere als intransparent und im Regelfall sollten die Antragsteller/-innen ja auch nur in einem Land Ihren Antrag stellen. Auch sind die derzeitigen Bearbeitungszeiten durchaus länger als wünschenswert, was sich aber auch ein wenig relativiert, wenn man sich die im Zusammenhang mit dem Zuzug von Flüchtlingen, der mit zeitlichem Verzug die Anerkennungsstellen erreicht hat, immens gestiegenen Fallzahlen vor Augen hält. Aber natürlich besteht auch hier Handlungsbedarf. Das ändert aber nichts daran, dass derzeit die eingesetzten Mitarbeiter/-innen bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen um den Ansprüchen der Antragsteller/-innen aber auch der Patienten/-innen, die von gut ausgebildeten Medizinern behandelt werden sollen, gerecht zu werden.

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Und da ist es mehr als kontraproduktiv, wenn sie sich in diesem Artikel falschen Behauptungen ausgesetzt sehen. So werden in Hessen gerade keine Stellenzusagen für Approbationsanträge gefordert, dies gilt nur für Berufserlaubnisse (die ja gerade ein Arbeitsverhältnis voraussetzen). Auch wird in der Kenntnisstandprüfung gerade nicht das Fach Allgemeinmedizin grundsätzlich abgeprüft.

Auch soweit es um das konkrete Verfahren am Beispiel von Frau Rocha geht, wird dem Leser ein Eindruck suggeriert, der alleine auf der subjektiven Wahrnehmung der Betroffenen basiert. Ein Blick in die Akte würde einem neutralen Beobachter allerdings einen anderen Eindruck vermitteln, nämlich dass die behördlich zu verantwortende Bearbeitungszeit nicht zu beanstanden ist. Diese Möglichkeit haben Sie allerdings nicht genutzt, obwohl es sicher in all diesen Punkten hilfreich gewesen wäre, zumindest aber im Rahmen einer objektiven Recherche geboten gewesen, meiner Behörde die Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben.

Leider ist dies nicht geschehen und sie erweisen damit einem guten Zweck einen schlechten Dienst.

Christof Diefenbach, Amtsleiter Hessisches Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen, 60439 Frankfurt am Main

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