ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2017Arznei­mittel­therapie­sicherheit: Es gibt zu wenig Risikobewusstsein

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Arznei­mittel­therapie­sicherheit: Es gibt zu wenig Risikobewusstsein

Dtsch Arztebl 2017; 114(11): A-504 / B-440 / C-430

Korzilius, Heike

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Der Medikationsplan ist ein erster Schritt zur Verbesserung der Theapiesicherheit. Foto: psphotography/stock.adobe.com
Der Medikationsplan ist ein erster Schritt zur Verbesserung der Theapiesicherheit. Foto: psphotography/stock.adobe.com

Die Arznei­mittel­therapie­sicherheit spielt bei der Behandlung insbesondere von multimorbiden Patientinnen und Patienten noch immer eine untergeordnete Rolle. Das kritisierten Experten Mitte März in Berlin bei der 2. IGiB-Konferenz, Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg. Medikationsfehler, die nicht nur von Ärztinnen und Ärzten, sondern von allen am Medikationsprozess Beteiligten begangen würden, seien bis 2005 ein Tabuthema gewesen, sagte Kai Daniel Grandt, Mitglied des Vorstands der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft. Zwar sei mit dem E-Health-Gesetz 2016 ein Medikationsplan eingeführt worden, auf den alle Patienten, die mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig einnehmen, Anspruch haben. Dennoch sieht die Behandlungsrealität Grandt zufolge so aus, dass nach wie vor 34,5 Prozent aller Patienten, die im Krankenhaus aufgenommen werden, unter unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) leiden, von denen 71 Prozent vermeidbar wären.

Häufige Risiken der Verordnung seien etwa eine zu hohe Dosierung oder Kontraindikationen. Vielfach würden auch Medikamente verordnet, die nicht erforderlich seien. „Arznei­mittel­therapie­sicherheit hat keine Priorität“, folgerte Grandt.

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Als ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Therapiesicherheit bezeichnete auch Dominik Graf von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), den Medikationsplan. Eine Koordination von Verordnungen unterschiedlicher Ärzte sei damit noch nicht gewährleistet. Damit Ärzte ihr eigenes Verordnungsverhalten überprüfen und gegebenenfalls ändern können, schlug von Stillfried ein individuelles Feedback durch die Kassenärztlichen Vereinigungen vor, die zeitnah über die Verordnungsdaten verfügten – vorausgesetzt, der Patient willige in die Weitergabe seiner Daten ein. HK

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