ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2017Clostridium-difficile-Infektion im Krankenhaus: Antibiotikatherapie ist Risiko für nachfolgende Patienten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Clostridium-difficile-Infektion im Krankenhaus: Antibiotikatherapie ist Risiko für nachfolgende Patienten

Dtsch Arztebl 2017; 114(11): A-533 / B-460 / C-450

Siegmund-Schultze, Nicola

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Bei einer stationären Behandlung werden Patienten häufig mit Mikroorganismen der Krankenhausumgebung besiedelt. So erhöht sich das Risiko für Clostridium-difficile-Infektionen (CDI), wenn ein Patient in ein Zimmer kommt, in dem zuvor ein Kranker mit CDI gelegen hat (1). In einer Kohortenstudie mit Patienten, die an 4 großen Krankenhäusern in New York behandelt wurden ist untersucht worden, ob die Anwendung von Antibiotika bei Patienten, die entlassen wurden, das CDI-Risiko für jene erhöht, die anschließend dasselbe Bett benutzen.

In 5 Jahren wurden Daten von 100 615 Paaren aus Vorgänger- und Nachfolgepatienten analysiert. Ausgeschlossen waren Vorgängerpatienten mit Antibiotikabehandlungen, die bei CDI verwendet werden wie Metronidazol oder orales Vancomycin, um zu vermeiden, dass der Vorgängerpatient eine CDI hatte. Bei Nachfolgepatienten wurden jene ausgeschlossen, bei denen innerhalb von 48 Stunden eine CDI diagnostiziert wurde, da es sich um eine mitgebrachte Infektion handeln konnte. Eine CDI beim Nachfolgepatienten galt als festgestellt bei positivem PCR-Test auf Toxin-B-Gen in einer Stuhlprobe plus Therapie des Patienten wegen CDI.

576 Nachfolgepatienten entwickelten eine CDI, also 0,57 %. Die kumulative Inzidenz für CDI betrug 0,72 % bei Patienten, deren Vorgänger Antibiotika erhalten hatten, und 0,43 % in der Gruppe ohne Antibiotikatherapie des Vorgängers. Nach Adjustierung um Risikofaktoren für CDI wie höheres Alter und Komorbidität war eine Antibiotikatherapie bei Vorgängerpatienten als einziger Faktor mit einem erhöhten CDI-Risiko für Nachfolger assoziiert. Die Risikoerhöhung betrug 22 % (Hazard Ratio: 1,22; 95-%-Konfidenzintervall: [1,02–1,45]; signifikant). Das Risiko sei damit zwar nur moderat erhöht, bei der hohen Patientenfluktuation im Krankenhaus aber sei es relevant, so die Autoren.

Potenzieller Mechanismus sei eine Veränderung des gastrointestinalen Mikrobioms unter dem Einfluss von Antibiotika, daraus folgend eine verstärkte Proliferation von Clostridien im Darm und eine vermehrte Aussscheidung von Sporen in die Umgebung, was den Kolonisationsdruck erhöhen könne.

Fazit: „Die Studie ist wichtig, da sie nachvollziehbar belegt, dass Antibiotikaanwendungen die Verteilung von Clostridiensporen in der direkten Umgebung des therapierten Patienten begünstigt, diese durch übliche Desinfektion und Reinigung oft nicht vollständig abgetötet werden und somit Infektionsketten zu nachfolgenden Patienten gebahnt sind“, kommentiert PD Dr. med. Christoph Lübbert, Stellvertretender Leiter des Zentrums für Infektionsmedizin Universitätsklinik Leipzig. Unbelebte Flächen im Krankenhaus seien bis zu 30 % mit C. difficile kontaminiert und ein wichtiges Reservoir für neue Infektionen. Die Sporen könnten dort bis zu 5 Monate überleben. Eine gründliche sporizide Flächendesinfektion habe in mehreren Studien eine signifikante Reduktion der C.-difficile-Neuerkrankungsrate belegt. Außer Schutzhandschuhen habe die sporizide Flächendesinfektion das größte Potenzial zur Prävention. Bei Verdacht auf eine Kontamination der Hände sollten diese zur Abtötung von vegetativen C. difficile und anderen Erregern erst desinfiziert und anschließend kurz und gründlich mit Seife gewaschen werden, um die Sporenzahl größtmöglich zu reduzieren. Die neue Studie bestätige bestehende Empfehlungen: Antibiotika zurückhaltend anzuwenden und für C. difficile spezifische Hygienemaßnahmen gut zu beachten.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Echaiz JF, Veras L, Zervos M, Dubberke E, Johnson L: Hospital roommates and development of health care-onset Clostridium difficile infection. Am J Infect Control. 2014; 42: 1109–11.
  2. Freedberg DE, Salmasian H, Cohen B, et al.: Receipt of antibiotics in hospitalized patients and risk for Clostridium difficile infection in subsequent patients who occupy the same bed. JAMA Intern Med 2016; 176: 1801–08.

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