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LNSLNS Essay Nachträgliche Aussöhnung apropos Lee Miller. Mit einem Essay von Antony Penrose, Verlag Neue Kritik, Frankfurt am Main, 1995, 137 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden, 25 DM
Ein Band über Lee Miller eröffnete vor kurzem die Serie "apropos", mit der außergewöhnliche Frauen des 20. Jahrhunderts porträtiert werden. Einem Essay folgt jeweils ein Bildteil über Leben und Werk sowie eine Dokumentation mit Interviews, Briefen und Zeugnissen.
Lee Miller, 1907 im Staat New York geboren und 70 Jahre später in England gestorben, war ohne Zweifel eine außergewöhnliche Frau. Mit knapp 20 wird die blonde Schönheit als Model von Condé Nast entdeckt, dem Herausgeber der amerikanischen "Vogue". Auf ihren Europareisen lernt sie Man Ray kennen, dessen Modell und Geliebte, Schülerin und spätere Kollegin sie wird.
Lee Miller, schön, interessant und geistreich, verdreht der Männerwelt die Köpfe. 1932 kommt es zum Bruch mit Man Ray. Sie geht zurück nach New York, um dort ein eigenes Studio zu eröffnen. Zwischendurch heiratet sie einen ägyptischen Geschäftsmann und folgt ihm für drei Jahre in seine Heimat.
1937 kehrt sie jedoch nach Paris zurück, wo sie ihren späteren zweiten Mann, Roland Penrose, kennenlernt. Sie beginnt, für "Vogue" Modeaufnahmen zu machen. 1942 läßt sie sich jedoch als Kriegsberichterstatterin akkreditieren. In den 40er Jahren entstehen ihre Reportagen und Schwarzweißaufnahmen aus Frankreich, Belgien und Deutschland: Aufnahmen zerbombter Städte, aus den befreiten Konzentrationslagern, von Menschen im und nach dem Krieg – in ihrem "scharfsichtigen, quirligen Stil", wie es in dem Essay heißt.
1947 kehrt sie nach England zurück und wird mit 40 Jahren Mutter. Ihr Leben und ihr Wesen versucht in dem vorliegenden Band reizvollerweise Antony Penrose einzufangen, ihr Sohn. Sein Essay heißt nicht umsonst "Das Rätsel Lee Miller", denn ein solches war die schöne, exzentrische, aber auch alkoholkranke Mutter ein Leben lang ihrem Sohn: "Natürlich hatte ich davon gehört, daß sie Photomodell, Photographin und Kriegsberichterstatterin gewesen war. Nichts von alldem kam mir wahrscheinlich vor. Wie sollte denn jemand, der unfähig schien, den Zug nach London zu erreichen, ohne ein schreckliches Drama aufzuführen, in seinem Leben jemals etwas Nützliches getan haben?"
Neben einem außergewöhnlichen Leben schildert der Essay auch eine nachträgliche Aussöhnung. Erst der erwachsene Sohn, der sich mit Unterstützung des Vaters auf die Suche nach der Arbeit und den prägenden Einflüssen seiner Mutter macht, kommt ihr nahe. Sabine Dauth, Köln
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