ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2017Verordnung gehört in die Hände des Arztes
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Arznei­mittel­therapie­sicherheit (AMTS) spielte für verantwortungsbewusste Ärzte und Apotheker schon immer eine wesentliche Rolle im wohlverstandenen Interesse ihrer Patienten beziehungsweise Kunden. Heutzutage ist das Thema auf der politischen Agenda gelandet – explizit mit dem Anspruch der Patienten auf einen Medikationsplan, wenn mindestens drei Arzneimittel verordnet werden.

In dem Beitrag „Diagnostik und Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit“ nehmen die Autoren Bezug auf internationale Leitlinien zur Sekundärprävention bei symptomatischen PAVK-Patienten und sehen einen Thrombozytenaggregationshemmer als indiziert an (1). Nun kann man durchaus konzedieren, dass 75–100 mg Aspirin täglich akzeptabel sein können. Allerdings gibt es eine Metaanalyse (2), die besagt, dass bei PAVK-Patienten unter Placebo bei 9,6 % kardiovaskuläre Ereignisse auftraten und unter Aspirin bei 8,2 % der Patienten. Das entspricht einer absoluten Risikoreduktion von 1,4 % und einem „number needed to treat“(NNT)-Wert von 71. Das bedeutet, dass 70 von 71 Patienten keinen Nutzen aus einer Aspirinprophylaxe ziehen, wohl aber mit Blutungen rechnen müssen. Noch gravierender wird es, wenn die Autoren fordern, dass alle PAVK-Patienten unabhängig von ihrem LDL-Zielwert ein Statin erhalten sollten, wenn keine Kontraindikation vorliegt. Zu dieser Problematik gibt es bisher keine Interventionsstudie.

Auf dem zukünftigen Medikationsplan von PAVK-Patienten stehen also schon zwei Medikamente mit sehr marginaler Wirkung (Aspirin) beziehungsweise ohne Wirksamkeitsbeleg (Statin). Ich frage mich, wie ein interprofessionelles Gremium hier zu einem Expertenkonsens (Level of Evidence C bei Studien) gelangen soll. Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker ist sicher gut und erstrebenswert – politisch verordnet könnte sie aber zu einer fragwürdigen und lästigen Routine verkommen. Es sollte aber Konsens sein, dass die Verordnung von Arzneimitteln in der Verantwortung des Arztes liegt – basierend auf einer fundierten Ausbildung in Klinischer Pharmakologie und Pharmakotherapie (3).

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0213b

Prof. Dr. med. Frank P. Meyer

Wanzleben-Börde 

U_F_Meyer@gmx.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Lawall H, Huppert P, Espinola-Klein C, Rümenapf G: Clinical practice guideline: The diagnosis and treatment of peripheral arterial vascular disease. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 729–36 VOLLTEXT
2.
Berger JS, Krantz MJ, Kittelson JM, Hiatt WR: Aspirin for the prevention of cardiovascular events in patients with peripheral artery disease: a meta-analysis of randomized trials. JAMA 2009; 301: 1909–19 CrossRef MEDLINE
3.
Thürmann PA: Medication safety—models of interprofessional collaboration. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 739–4 VOLLTEXT
1.Lawall H, Huppert P, Espinola-Klein C, Rümenapf G: Clinical practice guideline: The diagnosis and treatment of peripheral arterial vascular disease. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 729–36 VOLLTEXT
2.Berger JS, Krantz MJ, Kittelson JM, Hiatt WR: Aspirin for the prevention of cardiovascular events in patients with peripheral artery disease: a meta-analysis of randomized trials. JAMA 2009; 301: 1909–19 CrossRef MEDLINE
3.Thürmann PA: Medication safety—models of interprofessional collaboration. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 739–4 VOLLTEXT

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