ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2017Kurz notiert: Präsentismus – Warum gehen Mitarbeiter krank zur Arbeit?

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Kurz notiert: Präsentismus – Warum gehen Mitarbeiter krank zur Arbeit?

Dtsch Arztebl 2017; 114(12): [4]

EB

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Mitarbeiter, die zu Hause bleiben, wenn sie erkranken, sind langfristig gesünder, zufriedener und arbeiten produktiver. Warum gehen dennoch viele im Laufe ihres Berufslebens trotz Krankheit zur Arbeit? Wie erkennen Arbeitgeber dieses Verhalten, auch Präsentismus genannt? Und wie können sie diesem Verhaltensmuster rechtzeitig entgegenwirken? Antworten darauf hat Ann Cathrin Bach, Absolventin der Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Köln, unlängst in einer Studie gefunden.

Foto: Fotolia/contrastwerkstatt
Foto: Fotolia/contrastwerkstatt

Bach befragte dazu im Rahmen ihrer Masterthesis Beschäftigte aus unterschiedlichsten Branchen. Mithilfe eines auf wissenschaftlicher Basis neu entwickelten Fragebogens identifizierte sie fünf Motive für Präsentismus:

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  • Kollegialität,
  • Wahrung des sozialen Ansehens,
  • Pflichtgefühl gegenüber der Arbeit selbst,
  • Furcht vor negativen Konsequenzen,
  • Ablenkung.

Je stärker ausgeprägt insbesondere eines der ersten drei Motive war, desto häufiger beobachtete die Autorin Präsentismus. Weiteres Ergebnis: Bei Arbeitnehmern, die ihr Unternehmen als gerecht erlebten, waren Präsentismus-Motive geringer ausgeprägt. Je fairer und transparenter sie Vergütungsstrukturen, Entscheidungsprozesse und Informationsfluss einschätzten, desto weniger äußerten sie Präsentismus-Motive wie Sorge, um den guten Ruf bei Vorgesetzten und Kollegen oder Furcht vor Konsequenzen, zum Beispiel schlechte Leistungsbeurteilung oder gar Kündigung.

Für Prof. Dr. Katja Mierke, Betreuerin der Masterarbeit, ist der neue Fragebogen ein gewinnbringendes Instrument. „Mithilfe der neuen Skala können sowohl Arbeitnehmervertreter als auch Arbeitgeber Motive für Präsentismus ermitteln und daraus passende Handlungsmöglichkeiten ableiten“, sagte sie. Je nach Ergebnis gelte es, an den Werten und Normen der Belegschaft anzusetzen, für mehr Personal oder klare Vertretungsregelungen zu sorgen oder einen gerechten Führungsstil zu stärken. EB

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