ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2017Ernährung: Radikales Umdenken
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Ich bin Assistenzärztin der Chirurgie und beschäftige mich aus persönlichen Gründen seit einiger Zeit mit dem Thema Ernährung, speziell Low-Carb/High-Fat-Ernährung. Bei der Recherche zu diesem Thema geriet ich immer mehr in Fassungslosigkeit, dass die geltenden Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en auf so fehlerhaften, unwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und offensichtlich die Epidemie von Übergewicht, Diabetes, Herz- und Gefäßerkrankungen, Hypertonie und womöglich auch Krebserkrankungen, chronisch-inflammatorischen und psychischen Erkrankungen erst so richtig befeuert haben, während eine Ernährung mit deutlich weniger Kohlenhydraten, moderatem Protein- und hohem Fettanteil entgegen aller Erwartungen diese „Zivilisationskrankheiten“ bessern oder sogar heilen kann. Auch die jahrzehntelange Verteufelung von Cholesterin und Fetten (besonders gesättigten) entbehrt wissenschaftlicher Belegbarkeit und eine notwendige Differenzierung des Cholesterinprofils (Partikelanzahl, LDL-c/LDL-p, sdLDL) findet nicht routinemäßig statt. Stattdessen empfehlen wir hoch raffinierte, ungesunde pflanzliche und Kernöle (ausgenommen Olivenöl). Ganz im Gegenteil sollten wir uns vielleicht mehr auf die Triglyzeride (und die Ursache erhöhter Triglyzeride, kohlenhydratreiche Ernährung) sowie die Auswirkungen von dauerhaft erhöhter Insulinauschüttung und die damit assoziierten Probleme konzentrieren (Stichworte: kontinuierliche Fettspeicherung und Hemmung der Lipolyse, Natrium- und Wasserretention, Endotheldysfunktion, Insulinresistenz bis hin zu Schädigungen des ungeborenen Kindes u. a.). Ich bin gespannt, ob sich endlich wirklich sinnvolle Empfehlungen durchsetzen werden, auch wenn sie denen der letzten 30–40 Jahre vollkommen widersprechen und möglicherweise ein radikales Umdenken erfordern. Ich würde sagen, wir sind es uns, unseren Familien und unseren Patienten schuldig.

Dr. med. Aline Tiegelkamp, 21075 Hamburg

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