ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2017Kindesmissbrauch: Noch keine Entwarnung

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Kindesmissbrauch: Noch keine Entwarnung

Dtsch Arztebl 2017; 114(12): A-561 / B-485 / C-475

Bühring, Petra

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Die Prävalenz von körperlicher Misshandlung und sexuellem Missbrauch von Kindern in Deutschland ist gleichbleibend hoch; bei emotionaler Misshandlung ist sogar ein Anstieg zu beobachten. „Ich war überrascht, dass gerade die Zahlen zum sexuellem Kindesmissbrauch nicht zurückgegangen sind, trotz vielfältiger Anstrengungen“, erklärte Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm. „Eine Entwarnung kann also nicht gegeben werden – wir sind aber auf dem richtigen Weg und brauchen in jedem Fall mehr Monitoring“, betonte er. Verglichen wurden Daten aus dem Childhood Trauma Questionnaire (CTQ) von 2011 mit heutigen Untersuchungsergebnissen.

Bei emotionaler Misshandlung ist ein Anstieg der Zahlen festzustellen. Foto: iStockphoto/chameleonseye
Bei emotionaler Misshandlung ist ein Anstieg der Zahlen festzustellen. Foto: iStockphoto/chameleonseye

Der Fokus der statistischen Vergleiche lag auf der Gruppe, deren Angaben nach dem CTQ zwischen „mäßig bis schwer“ und „schwer bis extrem“ lag. „Wir sehen einen signifikanten Anstieg der Angaben zu emotionaler Misshandlung um knapp zwei Prozent, erläuterte Fegert. Sowohl bei körperlicher Misshandlung als auch bei den Angaben zu sexuellem Missbrauch finden sich zwar Anstiege, doch seien diese statistisch nicht signifikant. Eine „gute Nachricht“ gibt es nach Angaben Fegerts in Bezug auf körperliche Vernachlässigung: Diese ist signifikant zurückgegangen.

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Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, zeigte sich „sehr betroffen“ darüber, dass es „trotz vielfältiger Maßnahmen“ keinen Rückgang bei den Zahlen zur Prävalenz von Kindesmissbrauch gibt. pb

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