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Breaking the Silence: Hände hoch!

Medizin studieren, SS 2017: 31

Kruse, Janina; Nguyen, Thuong; Stork, Tabea

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Ein bvmd-Projekt bereitet Medizinstudierende auf den Kontakt mit hörgeschädigten Patienten vor.

Foto: bvmd
Foto: bvmd

Viele Menschen in Deutschland sind schwerhörig oder taub – bei einem Arztbesuch sind sie eigentlich auf einen Gebärdensprachdolmetscher angewiesen. Allerdings ist dieser, besonders in Notsituationen, oft nicht verfügbar. Das Projekt „Breaking the Silence“ hat sich zum Ziel gesetzt, Medizinstudierende für solche Situationen zu sensibilisieren und die Kommunikation für beide Seiten – Arzt und Patient – zu erleichtern.

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Breaking the Silence wurde im Mai 2014 gegründet und ist eines der zahlreichen Projekte der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Im Rahmen von Workshops werden Medizinstudierenden Barrieren in der Kommunikation mit hörgeschädigten Patienten aufgezeigt sowie gemeinsam Lösungsstrategien entwickelt. Dabei soll es nicht darum gehen, in kurzer Zeit eine neue Sprache zu erlernen und anschließend ein Patientengespräch gebärden zu können. Vielmehr steht ein Perspektivwechsel im Vordergrund, der deutlich macht, zu welchen Missverständnissen oder sogar Gefahren Sprachbarrieren führen können, wenn angehende Ärzte nicht damit umzugehen wissen.

Zu Beginn eines Workshops wird ein Arzt-Patienten-Gespräch mit einem Gehörlosen simuliert. Dabei fällt vielen Teilnehmern zum ersten Mal auf, wie problematisch die Kommunikation sein kann. Durch weitere Übungen wird herausgearbeitet, dass beispielsweise „Lippenlesen“ kaum möglich ist. In der Tat versteht man auf diese Wiese nur etwa ein Drittel des Gesprochenen. Um den teilnehmenden Studierenden in einer Frage- und Antwort-Runde eigene Sichtweisen schildern und von realen Erfahrungen zu berichten, wird in der Regel auch ein Gehörloser eingeladen. Im weiteren Verlauf des Kurses werden die Grundregeln der Kommunikation mit Hörgeschädigten vermittelt: Wie mache ich auf mich aufmerksam? Wie kann ein Gesprächseinstieg aussehen? Und wie ist das eigentlich mit dem Verständnis der geschriebenen Sprache? Auch ein erster Einblick in die Gebärdensprache wird gegeben.

Schon jetzt werden die Workshops in verschiedenen Städten wie Bochum und Würzburg und beim jährlichen bvmd-Bundeskongress angeboten. Ziel des Projekts ist die flächendeckende Etablierung eines Wahlfachs an allen 38 medizinischen Fakultäten. Zusätzlich werden zurzeit Wünsche hörgeschädigter Patienten an künftige Ärzte erfasst. Ebenso wird erfragt, welchen Bedarf Medizinstudierende sehen und welche Erfahrungen sie bereits gesammelt haben. Erste Ergebnisse zeigen, dass sowohl bei Studierenden als auch innerhalb der Gehörlosengemeinschaft die Notwendigkeit gesehen wird, medizinisches Fachpersonal umfassender zu schulen.

Längst können noch nicht alle Hürden der Kommunikation im medizinischen Alltag überwunden werden. Dennoch ist es bemerkenswert, wie viel Interesse bei den Medizinstudierenden besteht, sich mit der Welt der Gebärdensprachgemeinschaft zu befassen. Mit dem Projekt Breaking the Silence wird dieses Interesse aufgegriffen und ein Schritt in Richtung barrierefreier Kommunikation gewagt.


Kontakt zum Team des Projektes:
breakingthesilence@bvmd.de

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