ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2017120. Deutscher Ärztetag vom 23. bis 26. Mai 2017 in Freiburg: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

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120. Deutscher Ärztetag vom 23. bis 26. Mai 2017 in Freiburg: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

Montgomery, Frank Ulrich

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Freiburger Münster wurde von etwa 1200 bis offiziell 1513 im romanischen und größtenteils im gotischen Stil erbaut. Foto: JFL Photography/stock.adobe.com
Freiburger Münster wurde von etwa 1200 bis offiziell 1513 im romanischen und größtenteils im gotischen Stil erbaut. Foto: JFL Photography/stock.adobe.com

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in der Gesundheitspolitik gleicht kein Jahr dem anderen. Bestimmten in den ersten beiden Jahren dieser Legislaturperiode die Strukturreformen im ambulanten und stationären Bereich die Agenda der Bundesregierung, hatten wir es 2016 mit einer Vielzahl hochkomplexer Neuregelungen zu den verschiedensten Einzelthemen zu tun. Die Schlagzahl der Bundesregierung war enorm. Wir haben Gesetzentwürfe analysiert, Schwachstellen identifiziert und Korrekturen durchgesetzt. Vor allem aber haben wir in wichtigen Bereichen, wie in der Arzneimittelpolitik aber auch bei vielen medizinisch-ethischen Themen, selbst Impulse gesetzt und den Weg für gesetzgeberische Maßnahmen bereitet. Möglich war dies nur, weil unsere Gesprächs- und Verhandlungspartner wissen, dass die Bundes­ärzte­kammer weit mehr ist, als eine schlagkräftige ärztliche Interessenvertretung. Sie steht für das bei uns allen tief verwurzelte ärztliche Selbstverständnis, Verantwortung zu übernehmen – für die eigenen Belange, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes.

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Klares „Nein“ zur Einheitskasse

Dies wird einmal mehr deutlich werden, wenn der 120. Deutsche Ärztetag vom 23. bis 26. Mai 2017 in Freiburg zusammenkommt. Der Zeitpunkt ist günstig. Wir werden im beginnenden Bundestagswahlkampf klar formulieren, worauf es in der Gesundheitspolitik ankommt: Stärkung der ärztlichen Freiberuflichkeit, Vorfahrt für die Selbstverwaltung und ein deutliches Bekenntnis für den Erhalt und die Fortentwicklung des dualen Versicherungssystems mit den beiden Säulen gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV). Beide Systeme sind zu stärken und an die Herausforderungen der Zukunft anzupassen. Diese Botschaft werden wir von Freiburg aus in die Berliner Parteizentralen schicken. Und wir werden die von einigen Parteien favorisierte Einheitskasse als das entlarven, was sie in Wahrheit ist – ein rein ideologisch motivierter Feldversuch mit unkalkulierbaren Folgen für die gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land.

Wir brauchen einen Zukunftspakt

Die neue Bundesregierung sollte sich stattdessen den wirklichen Problemen und Herausforderungen unseres Gesundheitswesens widmen. Unsere Gesellschaft altert, und die Ärzteschaft altert mit. Das ist ein Grund, warum sich die Schere zwischen Behandlungsbedarf und Behandlungskapazitäten immer weiter öffnet. Wir brauchen deshalb dringend den von Bund und Ländern angekündigten „Masterplan Medizinstudium 2020“. Das allein wird aber nicht reichen. Denn zur ärztlichen Nachwuchsförderung gehören auch attraktivere Rahmenbedingungen für die Berufsausübung. Die Kolleginnen und Kollegen in Klinik und Praxis leiden unter unnötiger Bürokratie. Die Mitarbeiter in den Notfallambulanzen und -praxen arbeiten am Limit. Die Investitionen der Länder in unsere Kliniken reichen hinten und vorne nicht. Schlimm genug, dass in vielen OP-Sälen der Putz von den Wänden bröckelt. Noch gravierender ist aber, das Mittel zweckentfremdet werden müssen, um den gröbsten Investitionsbedarf zu decken. Das Geld fehlt dann in der Versorgung. Der nächsten Bundesregierung muss klar sein, dass es mit Reparaturgesetzen nicht getan ist. Wir brauchen ein schlüssiges Gesamtkonzept. Wir brauchen einen Zukunftspakt für unser Gesundheitswesen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir richten in Freiburg auch in anderen Bereichen den Blick nach vorn. So wird sich der Ärztetag intensiv mit der Novelle der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung beschäftigen und dieses Großprojekt weiter voranbringen. Gleiches gilt für die Novelle der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Seit den richtungsweisenden Beschlüssen des Hamburger Ärztetages haben wir viel erreicht. Mittlerweile wurde das vorabgestimmte Leistungsverzeichnis der neuen GOÄ in ausgesprochen konstruktiven Gesprächen mit allen betroffenen Berufsverbänden und wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften beraten. Über Änderungen, die sich daraus ergeben haben, verhandeln wir mit dem PKV-Verband. Parallel dazu laufen die Arbeiten an einem Kalkulationsmodell mit angepassten Bewertungen sowie an einem BÄK-eigenen Hochrechnungsmodell. Das Thema ist komplex. Wir werden uns deshalb auf dem Ärztetag ausreichend Zeit nehmen, um den gegenwärtigen Stand und die nächsten Schritte ausführlich zu beraten.

Im Konzerthaus Freiburg findet die Eröffnung des 120. Deutschen Ärztetages statt. Foto: FWTM
Im Konzerthaus Freiburg findet die Eröffnung des 120. Deutschen Ärztetages statt. Foto: FWTM

Während diese beiden Projekte vor allem innerärztlich von großem Interesse sind, dürfte das Schwerpunktthema des diesjährigen Deutschen Ärztetages, die Digitalisierung des Gesundheitswesens, auch die breite Öffentlichkeit ansprechen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Natürlich gehört der Umgang mit modernen Informationstechnologien längst zum Alltag in unseren Kliniken und Praxen. Bildgebende Verfahren und andere IT-gestützte Methoden sind fest in unserem Gesundheitssystem verankert. Zudem bringt die Ärzteschaft seit Jahren ihre Expertise in die Entwicklung patientengerechter Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ein. Es geht uns in Freiburg aber nicht nur um eGK und Tele­ma­tik­infra­struk­tur. Wir wollen das Thema weiter fassen und nehmen die vielfältigen Möglichkeiten der Telemedizin ebenso in den Blick, wie den prosperierenden Bereich der Gesundheits-Apps und die sich unter dem Begriff „Big Data“ ergebenden Möglichkeiten, riesige Datenmengen zu Forschungszwecken und zur Versorgungssteuerung auszuwerten. Dabei ist uns bewusst, dass Digitalisierung viele Kernbereiche des ärztlichen Berufsbilds berührt. Sie hat das Potenzial, sowohl Versorgungsprozesse als auch grundsätzliche Prinzipien der gesundheitlichen Versorgung zu verändern. Wir werden deshalb in Freiburg über die vielfältigen Chancen aber auch über potenzielle Risiken der Digitalisierung sprechen – verbunden mit Forderungen und Vorschlägen für eine patientengerechte und praxistaugliche Ausrichtung dieser neuen technischen Möglichkeiten.

Neben den Sitzungen auch den Schwarzwald genießen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese und weitere Themen werden uns auf dem Ärztetag beschäftigen. Ich hoffe aber sehr, dass Sie sich neben den Plenarsitzungen auch etwas Zeit nehmen können, die sonnenverwöhnte Schwarzwaldmetropole zu erkunden. Die verschiedensten Theater, Museen und historischen Bauwerke, wie das Freiburger Münster, warten darauf, von Ihnen entdeckt zu werden. Auch die Naturfreunde unter Ihnen sind hier richtig. Der Schwarzwald liegt direkt vor der Tür. Mit einer Seilbahnfahrt auf den Freiburger Hausberg, den Schauinsland, sind Sie schon mittendrin.

Wenn neben den Delegierten und den Vertreterinnen und Vertretern ärztlicher Organisationen und Verbände möglichst viele Ärztinnen und Ärzte aus allen Regionen Deutschlands am 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg teilnehmen können, würde mich das sehr freuen.

In diesem Sinne die besten Wünsche und einen herzlichen Gruß Ihr





Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery

Präsident der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages

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