SEITE EINS

Masterplan 2020: Gute Ärzte für unsere Zukunft

Dtsch Arztebl 2017; 114(13): A-603 / B-523 / C-509

Maibach-Nagel, Egbert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

RIP: Ruhe in Frieden, Reform! So kommentierte die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland die im März erfolgte Absage der Kultusministerkonferenz an den ohnehin schon zum Kompromiss degenerierten Masterplan Medizinstudium 2020. Die Studierenden sehen – zumindest in dieser Legislaturperiode – keine Chance mehr für eine echte Novellierung des Studiums.

An Solidaradressen oder Aufforderungen, das längst überfällige Vorhaben so kurz vor Verwirklichung bitte nicht fallen zu lassen, fehlte es nicht. Die Reaktionen von Bundes­ärzte­kammer, Hausärzteverband oder auch der Deutschen Akademie für Allgemeinmedizin haben erläutert, warum hier weit mehr auf dem Spiel steht als „nur“ eine zeitgerecht optimierte Medizinerausbildung.

Anzeige

Es gilt, drohenden Mangelsituationen entgegenzutreten. Eigentlich geht es auch mit dem Masterplan 2020 darum, hier und jetzt Zustände abzustellen, die bisher nur als bitterer Vorgeschmack auf wirklich schwere Zeiten in der Gesundheitsversorgung daherkommen.

Selbst wenn der Einwand der Kultusminister, die Finanzierung der Maßnahmen sei nicht gewährleistet, nicht von der Hand zu weisen ist, verwundert doch die politische, föderalistisch motivierte Kurzsichtigkeit. Aber das Argument vom Geldmangel kann und darf nicht fruchten, so absehbar ist, dass das, was heute teuer scheint, später um vieles höher bezahlt werden muss.

Das Bundesgesundheitsministerium scheint zurzeit noch zu versuchen, avisierte Projekte vor Eintritt der intensiven Wahlkampfphasen durchzuboxen. Ob dazu Finanzierungszusagen an die Länder gehören können, ist fraglich. Somit hätte das föderalistische Gerangel der Ressorts dazu geführt, dass – wieder einmal – nichts passiert.

Dabei sah es noch vor wenigen Wochen ganz gut aus. Der immer noch umfangreiche Maßnahmenkatalog schien alle Stationen zu meistern. Noch Anfang des Jahres wurde vom Durchbruch eines bisher auf die lange Bank geschobenen Projektes gesprochen. Umso unglaublicher ist, dass anscheinend erst jetzt erkannt wurde, das in ständigen Kompromissen immer enger geschnürte Paket sei auf einmal nicht mehr zu bezahlen. Realitätsfremder geht es nicht.

Natürlich zählen solche Abläufe gerade von Vorhaben im Bildungs- und Sozialwesen durchaus zu den Kategorien des politischen Déjà-vu. Trotzdem fällt es schwer, das Trauerspiel mit anzusehen: Sogar in einer der reichsten Gesellschaften dieser Welt reicht das Geld nicht, den kommenden Generationen von Medizinern eine gute, zeitgerechte und an modernen Bedarfen ausgerichtete Ausbildung zu ermöglichen? Kann die Arbeitswelt in der Gesundheitsversorgung, einem Feld, das für unser Überleben steht, das staatliche Daseinsvorsorge ist, für die Nachfolgegenerationen so unattraktiv ausgestaltet werden, dass es an Nachwuchswilligen fehlt?

Die Lücken im künftigen Gesundheitswesen sind beschrieben. Die Zeit, die es kostet, neue Generationen von Ärzten auszubilden, ist berechenbar. Möglichkeiten für mehr Attraktivität im Berufsfeld liegen auf der Hand: Her mit anderen Verhältnissen für die Beschäftigten als die, die gegenwärtig im Gesundheitswesen anzutreffen sind. Da anzusetzen, sei es durch Mindestzahlen beim Personal, sei es durch eine adäquate Ausbildung, ist das, was für die Zukunft gute Ärzte schafft.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige