ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2017Bundestagswahl 2017: Offen sein

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Bundestagswahl 2017: Offen sein

Dtsch Arztebl 2017; 114(14): A-696

Geiser, Franziska

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Ist das „Drohbild der Zweiklassenmedizin“ wirklich so fiktional, dass wir uns damit nicht auseinandersetzen müssen? Jeder Arzt, jede Ärztin erlebt den zunehmenden ökonomischen Druck im Gesundheitssystem mit „Igelisierung“ und Vergütungsstrukturen, die eine Bevorzugung von Privatpatienten sehr nahelegen und denjenigen als dumm dastehen lassen, der diese Entwicklung kritisch sieht und sich als Arzt allen Patienten in gleicher Weise verpflichtet fühlt.

Es ist ein Widerspruch, wenn die PKV um Versicherte mit besseren Leistungen wirbt (ermöglicht durch ein Aussteigen aus dem Solidaritätsprinzip), diese von den Versorgern zum Teil aktiv einfordert, andererseits aber öffentlich behauptet, es gebe keine Versorgungsklassen. In der Tat ist unser Gesundheitssystem eines der bestfunktionierenden weltweit. Diese gute Versorgung ist ein grundlegender sozialer Kitt unserer Gesellschaft. Nicht nur in der Wahrnehmung der Patienten sind aber Versorgungsunterschiede verstärkt präsent, und dies zu leugnen, wäre weder integer noch hilfreich. Ich höre von vielen Kollegen, wenn man sie denn fragt, dass sie über diese Entwicklung nicht glücklich sind, aber auch den Eindruck haben, sich ihr nicht entziehen zu können.

Der Beitrag „Zeit für einen neuen Eid“ im gleichen Heft fordert, die zunehmende Öko­nomi­sierung und Entsolidarisierung zu hinterfragen. Wir sollten uns deshalb nicht unkritisch der Argumentation einer Seite anschließen, sondern offen sein für eine Diskussion um ein effektives, gerechtes (einschließlich Leistungsgerechtigkeit für die Leistungserbringer) und von allen Beteiligten akzeptiertes Gesundheitssystem der Zukunft.

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Prof. Dr. med. Franziska Geiser, 53604 Bad Honnef

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