ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2017Rehabilitation nach Aortenklappenersatz mit TAVI: Training ist sicher und verbessert die Lebensqualität

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rehabilitation nach Aortenklappenersatz mit TAVI: Training ist sicher und verbessert die Lebensqualität

Dtsch Arztebl 2017; 114(14): A-689 / B-593 / C-579

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Aortenklappenstenose ist der häufigste erworbene Klappenfehler und kann zu Einschränkungen der Herz-Kreislauf-Funktion, Atemnot, Schwindel, schneller Ermüdung, Thoraxschmerzen führen und die Lebenserwartung verkürzen. Die Operation der Klappe ist ein Standardverfahren bei schwerer Aortenklappenstenose, für 30–40 % der Patienten aber kommt eine traditionelle Operation nicht infrage, da ihre Begleiterkrankungen das perioperative Risiko erhöhen. Die minimal-invasive Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) gilt als schonendere Therapiealternative für mulimorbide Patienten und wurde 2015 in Deutschland mehr als 31 000-mal angewandt (1).

In einer randomisierten Pilotstudie unter Federführung von Priv.-Doz. Dr. med. Axel Preßler von der Poliklinik für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar, TU München, ist nun geprüft worden, ob die mit TAVI eingesetzten Klappen die Belastung eines Trainingsprogramms aushalten und die Patienten von der Bewegung profitieren (2). Bisher gab es dazu keine prospektiven Studien.

30 Probanden sind 1–4 Monate nach TAVI in 2 Gruppen randomisiert worden: eine trainierte 8 Wochen lang mit gezielten Übungen Ausdauer auf dem Fahrradergometer und Kraft von 5 verschiedenen Muskelgruppen an Geräten, die Kontrollgruppe blieb ohne strukturiertes Training. In der ersten Woche gab es 2 Übungseinheiten, anschließend 3 Einheiten pro Woche. Die Funktion der Herzklappen wurde regelmäßig im Ultraschall überprüft, die Nierenfunktion der durchschnittlich 81-jährigen Probanden überwacht und Blutwerte auf Anzeichen für eine Herzschwäche untersucht.

Die neuen Herzklappen funktionierten auch unter Belastung einwandfrei. So erhöhte sich die Rate der paravalvulären Aorteninsuffizienzen, die bei TAVI grundsätzlich höher ist als bei chirurgischem Klappenersatz, nicht.

Auch die Nierenfunktion wurde nicht durch das Bewegungsprogramm beeinträchtigt. Die Trainingsgruppe war nach 8 Wochen fitter als die Kontrollgruppe: Die auf die Körpermasse von 1 kg bezogene maximale Sauerstoffaufnahme hatte sich in der Trainingsgruppe im Vergleich zu den Kontrollen signifikant erhöht (Differenz zwischen Trainings- und Kontrollgruppe: 3,7 mL O2/min/kg; p = 0,007), ebenso die Muskelkraft (+ 5–17 kg, je nach Muskelgruppe; p = 0,01). Außerdem verbesserte sich in der Trainingsgruppe die Lebensqualität, ermittelt über den Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire und SF-12, sowie die körperliche Funktionsfähigkeit (Gehen, Heben, Bücken, Treppensteigen, Selbstversorgung) deutlich stärker als in der Kontrollgruppe. Keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen gab es im 6-Minuten-Gehtest.

Fazit: Einer randomisierten Pilotstudie zufolge ist strukturiertes körperliches Training nach TAVI sicher und verbessert körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten. Die echokardiografischen Untersuchungen ergaben, dass die Funktion der neuen Herzklappen durch das strukturierte Training nicht beeinträchtigt wird. Strukturierte körperliche Aktivität könnte damit das Ergebnis einer TAVI verbessern, so die Autorengruppe. Die Forscher merken allerdings an, dass die Studie mit einer Gruppe von Patienten erfolgte, die fit genug war für ein entsprechendes Training. Das treffe möglicherweise nicht auf alle TAVI-Patienten zu. Nun müssten weitere größere randomisierte Studien folgen, um die Langzeiteffekte des Trainings zu untersuchen und die Frage, ob es Einfluss auf die Morbidität und die Mortalität der Patienten hat.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Gaede L, Blumenstein J, Kim WK, et al.: Trends in aortic valve replacement in Germany in 2015: transcatheter versus isolated surgical aortic valve repair.
    Clin Res Cardiol 2017. DOI: 10.1007/s00392–016–1070–1.
  2. Pressler A, Christle JW, Lechner B, et al.: Exercise training improves exercise capacity and quality of life after transcatheter aortic valve implantation: a randomized pilot trial. Am Heart J 2016; 182: 44–53.

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