ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2017Menopause und kardiovaskuläres Risiko: Früher Beginn der Wechseljahre erhöht das KHK-Risiko

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Menopause und kardiovaskuläres Risiko: Früher Beginn der Wechseljahre erhöht das KHK-Risiko

Grübler, Beate

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Bei etwa jeder 10. Frau beginnen die Wechseljahre schon im Alter von 45 Jahren oder früher. Eine vorzeitige (vor dem 40. Lebensjahr) oder frühe Menopause (vor dem 45. Lebensjahr) erhöht den Daten einer 2006 publizierten Metaanalyse zu Folge das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (1). Unbeantwortet blieb bislang allerdings die Frage, ob und wie sich das kardiovaskuläre Risiko dieser Frauen über die Lebenszeit verändert.

In einem systematischen Review (2) unter Berücksichtigung von 32 Studien mit mehr als 310 000 Frauen wurde bei einem Einsetzen der Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein um relativ 50 % höheres Risiko für koronare Herzkrankheit (relatives Risiko: 1,50; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,28–1,76) und ein um 19 % bzw. 12 % erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Mortalität bzw. Gesamtsterblichkeit ermittelt, jeweils im Vergleich zu Frauen mit späterer Menopause.

Auch das Schlaganfallrisiko war bei den jüngeren Frauen in den Wechseljahren vergleichsweise höher (+ 23 %), nicht aber die Schlaganfallmortalität. Wurde der Cut-off für die Menopause bei 50 Jahren gesetzt, so hatten die diesbezüglich älteren Frauen (Menopause mit 50–54 Jahren) eine um 13 % verringerte kardiovaskuläre Mortalität (relatives Risiko: 0,87; 95-%-KI: 0,80–0,96) gegenüber den jüngeren Frauen; das Schlaganfallrisiko war in beiden Gruppen vergleichbar. Alle Datenanalysen erfolgten nach Adjustierung auf kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Fazit: Das Herz-Kreislauf-Risiko ist bei vorzeitiger oder früher Menopause erhöht, vermutlich wegen der hormonellen Veränderungen. Deren langfristige Auswirkungen ließen sich aber auch in dieser Metaanalyse nicht klären, denn die dafür ausgewerteten Beobachtungsstudien lieferten widersprüchliche Ergebnisse in Bezug auf die Frage, ob Frauen mit früher Menopause ein nur vorübergehendes oder ein dauerhaft erhöhtes kardiovaskuläres Risiko haben.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind nicht überraschend“, kommentiert Prof. Dr. med. Alfred O. Mueck, Leiter des Bereichs Endokrinologie und Menopause am Universitätsklinikum Tübingen. „So ist zum Beispiel seit Längerem bekannt, dass im Falle einer bilateralen Ovarektomie bei Frauen vor dem 35. Lebensjahr das KHK-Risiko sofort und drastisch ansteigt, und dies wird mit einem plötzlichen Estrogenverlust erklärt.“

Einem Konsensuspapier unter Beteiligung von 9 gynäkologischen Fachgesellschaften und Institutionen zufolge könne bei frühem Menopausebeginn durch Estrogentherapie das KHK-Risiko reduziert werden (3). „Dieses basiert allerdings vorrangig auf Beobachtungsstudien, weshalb eine Hormonsubstitution nur zum Zwecke einer kardiovaskulären Protektion nicht empfohlen wird“, kommentiert Mueck. Beate Grübler

  1. Atsma F, et al.: Postmenopausal status and early menopause as independent risk factors for cardiovascular disease: ameta-analysis. Menopause 2006; 13: 265–79.
  2. Muka T, et al.: Association of age at onset of menopause and time since onset of menopause with cardiovascular outcomes, intermediate vascular traits, and all-cause mortality: a systematic review and meta-analysis. JAMA Cardiol 2016; 1: 767–76.
  3. Mueck AO (federführend), et al.: Anwendungsempfehlungen zur Hormonsubstitution in Klimakterium und Postmenopause. Frauenarzt 2015; 56: 657–60.

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