ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1996Teilzeitarbeit im Gesundheitswesen: Neue Arbeitsformen – positive Auswirkungen

POLITIK: Kommentar

Teilzeitarbeit im Gesundheitswesen: Neue Arbeitsformen – positive Auswirkungen

Sels, Norbert

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LNSLNS Studien namhafter Unternehmensberater belegen, daß Teilzeitarbeit positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben würde. Nebenprodukt wären zusätzliche Produktivitäts- und Motivationssteigerungen. Einige Wissenschaftler glauben, daß in Deutschland bis zu zwei Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten und eine Produktivitätssteigerung von ungefähr 20 Prozent möglich wäre. Könnten neue Arbeitsformen nicht auch verstärkt Nachahmung im Dienstleistungssektor Gesundheitswesen, hier speziell im Krankenhaus und den Arztpraxen, finden – unter Berücksichtigung der neuen tariflichen Voraussetzungen?
Bei genauer Betrachtung muß man zu dem Schluß kommen, daß die flexible Teilzeitarbeit auch im Gesundheitssektor Einzug halten muß. Schon alleine wegen des teilweise immer noch herrschenden Pflegekräfte- und Helferinnenmangels könnte hier durch verbesserte und attraktivere Teilzeitarbeitsbedingungen ein Anreiz geschaffen werden, um Pflege- und Helferinnenkräfte wieder in ihren Beruf zurückzuholen und zu integrieren. Weitere Erfolge der Teilzeit könnten sich einstellen:
1 Während der "Beschäftigungsspitzen" könnte Personal durch Teilzeitarbeitskräfte entlastet werden und die Routinearbeit streßfrei erledigen, zum Beispiel während der heißen Phase tagsüber zwischen 10.00 und 16.00 Uhr im Krankenhaus, wenn neben dem Routineprogramm (OP, Ambulanz) auch noch das Notfallprogramm bewältigt werden muß.
1 Beschäftigungslöcher oder -überkapazitäten könnten durch Teilzeitarbeit ausgeglichen werden, indem Arbeitnehmer entsprechend dem Arbeitsanfall eingesetzt werden (zum Beispiel in der Verwaltung, im ärztlichen oder im Pflegedienst).
1 Eine Reduzierung von Fehlern wäre möglich bei Arbeiten, die ständige Konzentration abverlangen; aufgrund längerer Freizeitphasen ist eine schnellere Entspannung und Regeneration möglich. Darüber hinaus wird Streßsituationen vorgebeugt.
1 Wochenend-, Feiertags- und Nachtdienste könnten auf Teilzeitbeschäftigte aufgeteilt werden.
1 Die Produktivität könnte gesteigert werden, wo einseitig monotone Arbeit verrichtet wird, zum Beispiel an Bildschirmarbeitsplätzen. Diese Arbeit könnte auf zwei Beschäftigte verlagert werden.
1 Durch eine bessere Ausnutzung der Geräte ließen sich die Kapitalbindungskosten des Anlagevermögens deutlich senken, im Umkehrschluß die Produktivität bei gleicher Kapitalausstattung erheblich steigern.
Fazit: Flexible Teilzeitarbeit ist primär ein sozialer Beitrag zur Minderung der Arbeitslosigkeit. Als Nebenprodukt ist sie hervorragend geeignet, um Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze langfristig zu sichern – auch im erkrankten Gesundheitswesen. Selbst die Bundesregierung hat mittlerweile die Vorzüge der Teilzeitarbeit entdeckt. Deutlich wird dies im neuen Arbeitszeitgesetz, dessen Paragraphenwerk mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt verspricht. Außerdem sollen Teilzeitbeschäftigte, die arbeitslos werden, künftig bis zu drei Jahre den gleichen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung erhalten wie Vollzeitarbeitskräfte. Eine Regierung kann jedoch nur Rahmenbedingungen schaffen. Eingeführt werden muß die Teilzeitarbeitszeit von den Arbeitgebern, genutzt werden von Arbeitnehmern. Norbert Sels
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