ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2017Ketoazidose nicht vergessen
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Der Beitrag (1) ist angesichts der Häufigkeit verständlicherweise auf die Differenzierung pulmonaler und kardialer Ursachen ausgerichtet. Metabolische Ursachen werden daher vernachlässigt, obwohl sie keineswegs selten und von hoher praktischer Relevanz sind.

Ich habe in der Kinder- und Jugenddiabetologie immer wieder gesehen, dass eine Ketoazidose als Dyspnoe pulmonaler Ursache fehldiagnostiziert wurde. Bei zwei Patientinnen lag die Tücke darin, dass beide bekannte pulmonale Probleme hatten: ein Kleinkind rezidivierende obstruktive Bronchitiden, eine Jugendliche Asthma bronchiale. Beide bisher ohne bekannten Diabetes, dieser manifestierte sich akut mit schwerer Stoffwechselentgleisung. In der jeweils sehr vollen Sprechstunde („Infektzeit“) wurden beide nach kurzer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt (Pneumologe beziehungsweise Kinderarzt) entsprechend der vorbestehenden Diagnose mit Inhalation beziehungsweise mit Kortison behandelt, auch die anschließende ärztliche Untersuchung führte nicht zur richtigen Diagnose. Man war schon falsch gepolt.

Beide kamen dann mit schwerster Azidose in extremis in die Klinik (pH Wert, 6,8 beziehungsweise 6,9!), überlebten aber glücklicherweise ohne Komplikationen. Auch angesichts der seit Jahren zunehmenden Inzidenz des Typ-1-Diabetes-mellitus ist die diabetische Ketoazidose bei Dyspnoe in jedem Lebensalter mitzubedenken und auch der Atmungstyp differenziert zu betrachten. So unterscheidet sich die Atmung bei einem Asthmaanfall oder einer psychogenen Hyperventilation doch deutlich von der vertieften („Kußmaulschen“) Atmung bei metabolischer Azidose.

Generell muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass jede Anamnese ausreichend mit offenen Fragen begonnen werden sollte, bevor man differenziert versucht, genauere Spezifizierungen herauszufragen. Wie oft muss bei Fehldiagnosen hinterher festgestellt werden, dass eine breitere Anamnese den entscheidenden Hinweis, in den erwähnten Fällen die diabetestypischen Symptome, geliefert hätte.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0271b

Prof. Dr. med. Walter Burger

Berlin

walterburger@gmx.de

1.
Berliner D, Schneider N, Welte T, Bauersachs J: The differential diagnosis of dyspnoea. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 834–45. VOLLTEXT
1.Berliner D, Schneider N, Welte T, Bauersachs J: The differential diagnosis of dyspnoea. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 834–45. VOLLTEXT

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