ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2017Differenzialdiagnose Kindesmisshandlung

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Differenzialdiagnose Kindesmisshandlung

Differential diagnosis: child abuse

Dtsch Arztebl Int 2017; 114(15): 270; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0270

Ondruschka, Benjamin; König, Christian

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Zur Differenzialdiagnose von Hautverfärbungen bei Kindern gehören neben Misshandlungsbefunden unter anderem akzidenzielle Verletzungen, hämatologische Erkrankungen und angeborene Dermatopathologien. Nachdem ein sieben Monate alter Junge türkischer Herkunft nach fraglichen Schlägen durch den Vater vorgestellt wurde, ergab die rechtsmedizinische Untersuchung randunscharfe, bläuliche Hautverfärbungen unterschiedlicher Größe am Rücken und Gesäß. Diese homogenen Hautverfärbungen konnten sicher als Mongolenflecke, das heißt fleckförmige Ansammlungen von Melanozyten als Residuum der Embryonalentwicklung, bewertet werden, nachdem ein Rekonsil 5 Tage später ein unverändertes Befundbild zeigte. Diese angeborenen Pigmentierungsstörungen sind in Abhängigkeit von der ethnischen Herkunft teils häufige Befunde, meist am Steiß lokalisiert und spätestens bis zur Pubertät nicht mehr erkennbar. Angesichts ihrer Häufigkeit und Bedeutung ist der Ausschluss der Diagnose einer Kindesmisshandlung von besonderer Wichtigkeit. Es sind jedoch differenzialdiagnostische Überlegungen notwendig, um folgenschwere Fehlinterpretationen und juristische Konsequenzen zu vermeiden. Bei Unsicherheiten in der Befundbewertung wird eine Nachuntersuchung in angemessenem zeitlichem Abstand empfohlen, um eine farbliche Veränderung als Ausdruck eines Hämatomabbaus erheben zu können.

Dr. med. Benjamin Ondruschka, Dr. med. Christian König
Institut für Rechtsmedizin, Universität Leipzig, benjamin.ondruschka@medizin.uni-leipzig.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise
Ondruschka B, König C: Differential diagnosis: child abuse. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 270. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0270

The English version of this article is available online: www.aerzteblatt-international.de

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