ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2017Nierentransplantation bei Typ-2-Diabetes: Vorteil für jüngere Diabetiker möglicherweise geringer

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nierentransplantation bei Typ-2-Diabetes: Vorteil für jüngere Diabetiker möglicherweise geringer

Dtsch Arztebl 2017; 114(15): A-744 / B-632 / C-618

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Nierentransplantation gilt bei terminalem Nierenversagen als einzige kausale Therapie. Eine große Kohortenstudie aus Australien und Neuseeland, die auf dem Register von Dialysepatienten und Nierenempfängern basiert (ANZDATA), kommt nun zum Ergebnis: Typ-2-Diabetiker, und vor allem jene < 40 Jahre, hatten 5–10 Jahre nach Nierentransplantation ein höheres Sterblichkeitsrisiko als altersgematchte Organempfänger ohne Zuckerkrankheit (1).

Von 1994 bis 2012 hatten 10 714 Patienten eine neue Niere erhalten. 91 % waren keine Typ-2-Diabetiker (durchschnittlich 43,2 Jahre alt), 985 Transplantatempfänger aber waren vor der Operation zuckerkrank (9 %; durchschnittlich 55,2 Jahre alt). Die Sterblichkeitsrate betrug 10 Jahre nach Transplantation 25,3 % bei Diabetikern und 11,5 % bei Organempfängern ohne Diabetes (Hazard Ratio [HR] für Sterblichkeit jeglicher Ursache: 1,60; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,37– 1,86; HR für Tod mit funktionierendem Graft bei Typ-2-Diabetes: 1,54; 95-%-KI: 1,28–1,85; p je < 0,0001). Über einen Zeitraum von 18 Jahren hatten terminal nierenkranke Typ-2-Diabetiker, die ein neues Organ erhielten, ein mindestens doppelt so hohes Sterblichkeitsrisiko wie Organempfänger ohne Diabetes, verursacht vor allem durch eine erhöhte kardiovaskuläre und infektionsbedingte Mortalität. Am ausgeprägtesten war die Differenz in der Altersgruppe < 40 Jahre.

Fazit: Typ-2-Diabetes ist bei primär nierentransplantierten Patienten mit einer höheren Langzeitmortalität assoziiert im Vergleich zu Nierenempfängern ohne präoperativ bestehenden Diabetes. „Der errechnete Überlebensnachteil für nierentransplantierte Diabetiker scheint in dieser Studie besonders gravierend, prinzipiell aber überrascht das Ergebnis nicht“, kommentiert Prof. Dr. med. Bernhard Banas, Leiter der Abteilung Nephrologie, Uniklinik Regensburg. „Bei Älteren und Kränkeren ist das Outcome nach Transplantation schlechter, und wir erklären Patienten bereits bei Aufnahme auf die Warteliste entsprechend ihre Chancen und Risiken.“ Ein erhöhtes Risiko für Diabetiker hätten auch Analysen aus Europa ergeben (2). „Mit dieser Erkenntnis gehen die Gesellschaften allerdings unterschiedlich um“, meint Banas. „Während in den USA Spendernieren streng ergebnismaximiert nach dem Prinzip ‚gute Organe für gute Empfänger, schlechte Organe für schlechte Empfänger‘ verteilt werden, haben Diabetiker in Deutschland keine Nachteile bei der Organverteilung“, so der Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft und Vorsitzender einer BÄK-Arbeitsgruppe, die Richtlinien zur Nierentransplantation überarbeitet. Typ-1-Diabetiker mit fortgeschrittenen Endorganschäden könnten sogar bevorzugt werden bei einer kombinierten Pankreas-Nierentransplantation. Das Konzept basiere auf dem Transplantationsgesetz, das eine Verteilung der postmortalen Spenderorgane nicht nur nach Erfolgsaussicht, sondern auch nach Dringlichkeit vorgebe, ohne allerdings die Begriffe für den Kontext der Transplantationsmedizin näher zu definieren. „Um Verteilungsprinzipien zu entwickeln, die möglichst viele als gerecht empfinden, wäre eine transparente Diskussion der Öffentlichkeit nötig.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Lim WH, et al.: Long-term outcomes of
    kidney transplantation in people with type 2 diabetes: a population cohort study. Lancet Diabetes Endocrinol 2017; 5: 26–33.
  2. Kramer A, Pippias M, Stel V, et al.: Renal replacement therapy in Europe: a summary of the 2013 ERA-EDTA registry annual report with a focus on diabetes mellitus. Clin
    Kidney J 2016; 9: 457–69.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.