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Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Der Markt bestimmt den Preis

Dtsch Arztebl 2017; 114(15): A-711

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Eigentlich ist man nach jahrelangem Hin und Her auf gutem Wege, was die digitale Transformation im Gesundheitswesen betrifft. Der elektronische Arztbrief als eine der ersten Anwendungen läuft gut, die Ärztinnen und Ärzte sind zufrieden, erleichtert die Anwendung doch ihren Arbeitsalltag (siehe Seite 728).

Das bundesweite Onlinerollout zur Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) ist für Anfang Juli geplant. Ärzte aus den Testregionen, die das Deutsche Ärzteblatt befragt hat, sind ebenfalls nach ihren ersten Erfahrungen zufrieden (siehe Seite 724). Ab Juli dieses Jahres könnten folglich die Versichertenstammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte online geprüft und aktualisiert werden. Das ist auch dringend notwendig, drohen bei Nichteinhaltung des Termins der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband, den Gesellschaftern der für die Umsetzung verantwortlichen Betriebsgesellschaft Gematik, empfindliche Sanktionen.

Aber keine Einrichtung von digitalen Anwendungen ohne Streit um die Kosten. So sorgten die Verhandlungen um die Finanzierung der Erstausstattung der Praxen für einen Rückschlag beim straffen Zeitplan für die Implementierung der TI. Denn KBV und GKV-Spitzenverband, die eigentlich schon bis Ende März Ergebnisse hätten liefern sollen, konnten sich bis Anfang April nicht einigen. Der KBV zufolge war vor allem die Finanzierung des zentralen Moduls der TI, des Konnektors, der Knackpunkt der Verhandlungen. Nun soll Ende April das Bundesschiedsamt entscheiden.

Schuldzuweisungen vonseiten der Verhandlungspartner waren kaum zu hören und das hat seinen Grund. Dazu muss man wissen, dass es zurzeit nur eine Firma geschafft hat, einen funktionstüchtigen zertifizierten Konnektor auf den Markt zu bringen, die CompuGroup Medical AG (CGM). Das Konsortium um T-Systems musste dagegen passen, weil es ihnen nicht gelang, einen zertifizierten Konnektor anzubieten. Daher fiel auch die Erprobung in der Testregion Südost aus.

So kommt es jetzt offensichtlich zum klassischen Lehrstück in Sachen Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Da es momentan nur ein Angebot, sprich den Konnektor von CGM, gibt, ist der Verhandlungspreis entsprechend hoch. Der von der CGM angebotene Konnektor soll dem Vernehmen nach circa 1 000 Euro teurer sein als ein vergleichbares Gerät, das allerdings erst 2018 auf den Markt kommen könnte. Die Kassen sind nicht gewillt, die Differenz zu bezahlen. Auf den 1 000 Euro blieben daher die Ärzte sitzen, obwohl der Gesetzgeber im E-Health-Gesetz festgelegt hat, dass die Erstausstattung in den Praxen und der laufende Betrieb von den Kassen übernommen werden müssen. Für die KBV ist daher die Finanzierungslücke verständlicherweise nicht akzeptabel.

Dass die Kassen ihrerseits nicht bereit sind, einen „Monopolpreis“ zu bezahlen, ist auch nachvollziehbar. Allerdings gab es auch unterschiedliche Vorstellungen zur Finanzierung der Ausstattung der Praxen mit neuen mobilen Kartenterminals, zur Kostenübernahme für die Anpassung der Praxisverwaltungssysteme sowie zur Kompensation von Ausfallzeiten.

Alles in allem ist es wie so oft: Man versucht die Kosten eines gesetzlichen Auftrags den Vertragsärzten aufzuhalsen wie schon bei den Modulen zum Medikationsplan. Und der Gesetzgeber spielt eine unglückliche Rolle. Sein straffer Zeitplan mit Sanktionen hat in Sachen Technik bislang nicht den gewünschten Effekt.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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