POLITIK

Arztkommunikation: Zukunftssicher und effizient

Dtsch Arztebl 2017; 114(15): A-728 / B-619 / C-605

Krüger-Brand, Heike E.

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Der elektronische Arztbrief via KV-Connect bleibt auch weiterhin abrechenbar für die Ärzte, wenn der Kommunikationsdienst für den Einsatz über die Tele­ma­tik­infra­struk­tur zertifiziert ist.

Foto: Modella/stock.adobe.com
Foto: Modella/stock.adobe.com

Die digitale Transformation im Gesundheitwesen gewinnt zunehmend an Schwung, angetrieben einerseits durch das E-Health-Gesetz, andererseits aber auch durch Initiativen der Ärzte selbst. Während es bei den Vorbereitungen zum Online-Rollout der Tele­ma­tik­infra­struk­tur derzeit an einigen Stellen noch hakt, entwickelt sich der elektronische Arztbrief (eArztbrief) zu einem Erfolgsmodell für die sektorübergreifende Kommunikation im ärztlichen Alltag. Das wurde beim 3. Partnermeeting deutlich, das die KV Telematik GmbH (KVTG), ein Tochterunternehmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Ende März in Berlin veranstaltet hat.

„Wir haben Interesse an der Digialisierung auch im Behandlungsalltag“, betonte eingangs Dr. rer. soc. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV. Dafür müsse sie aus Sicht der Ärzte jedoch drei Ziele verfolgen: Sie müsse die Arbeit in den Praxen der Ärzte und Psychotherapeuten vereinfachen, die Sicherheit von Patienten- und Arztdaten gewährleisten und im Zeitalter der interdisziplinären, sektorübergreifenden ärztlichen Zusammenarbeit darüber hinaus auch einen herstellerübergreifenden Daten- und Informationsaustausch ermöglichen.

Der eArztbrief über den Kommunikationsdienst KV-Connect, den die KVTG im Auftrag der KBV und der Kassenärztlichen Vereinigungen entwickelt hat, genügt allen drei Anforderungen. Der KBV zufolge ist der eArztbrief inzwischen eine der nachgefragtesten Onlineanwendungen bei Haus- und Fachärzten.

Mit der Anwendung können Ärzte direkt aus ihrer Praxissoftware heraus Briefe über das Sichere Netz der KVen (SNK) versenden und empfangen. Dabei funktioniert der Versand so einfach wie eine E-Mail per Internet, ist aber verschlüsselt und mit einer qualifizierten elektronischen Signatur versehen. Jeder Nutzer des Dienstes erhält eine E-Mail-Adresse und ist dadurch über das Adressbuch einfach auffindbar und für den Versand als Empfänger auszuwählen.

Nach dem E-Health-Gesetz sollen eArztbriefe perspektivisch zwar über die Telematikinfrastuktur (TI) transportiert werden. Da derzeit die TI noch nicht verfügbar ist, hat der Gesetzgeber die Anwendung seit Anfang des Jahres finanziell unter bestimmten Voraussetzungen gefördert, um für eine raschere Verbreitung dieser nutzbringenden Onlineanwendung zu sorgen (siehe FAQ-Kasten).

Bessere Zusammenarbeit

Nach einer ersten Auswertung des Feldtests, den die KVTG zur Vorbereitung auf die Förderphase bis Ende 2016 unter Beteiligung von 26 Arztnetzen durchgeführt hat, haben circa 770 Ärzte innerhalb von anderthalb Jahren mehr als 115 000 eArztbriefe versendet. Davon profitierten mehrere Tausend Ärzte. Auch bei den Arztsoftwarefirmen war demnach das Interesse groß: Bereits vor Beginn der gesetzlichen Förderphase waren 37 Praxissoftwarehersteller und ein Krankenhausinformationssystem für den eArztbrief per KV-Connect auditiert.

Die Befragung der Teilnehmer ergab, dass die Ärzte die verbesserte Kommunikation mit den ärztlichen Kollegen schätzen und der Meinung sind, dass die Zusammenarbeit davon profitiert. Die Mehrheit der Projektteilnehmer gab zudem an, dass der elektronische Arztbrief die papierarme Praxisführung unterstützt. Wichtig war im Hinblick auf die Praktikabilität, dass der Empfänger den eArztbrief mit wenigen Klicks relativ schnell in die digitale Patientenakte integrieren kann. Ein weiteres Argument für die Nutzung ist, dass die Medizinische Fachangestellte keine Zeit mehr mit dem Einscannen von Briefen verbringen muss. Darüber hinaus lobten die Nutzer die Interoperabilität der Anwendung, denn für die zwischenärztliche Kommunikation spielt es keine Rolle mehr, welches Praxisverwaltungssystem Sender und Empfänger jeweils verwenden.

Zulassungsantrag im Mai

„KV-System und Softwareindustrie haben mit dem eArztbrief per KV-Connect Interoperabilität gemeinsam auf eine neue Stufe gehoben“, resümierte Kriedel vor diesem Hintergrund.

Lob kam auch aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG). Der elektronische Arztbrief sei termingerecht technisch ausgearbeitet und umgesetzt worden. „Das hat alles gut geklappt. Der Dank dafür geht an alle Beteiligten“, so Norbert Paland, der für Telematik zuständige Referent im BMG. Er sagte zudem zu, dass der eArztbrief über KV-Connect auch in der Tele­ma­tik­infra­struk­tur dauerhaft abrechenbar bleiben wird, wenn KV-Connect vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für die TI zertifiziert worden ist. Den Antrag auf Zulassung hierfür will die KVTG noch Mitte Mai beim BSI einreichen. Die Förderung über „alte Netze“ – dazu zählt aus Sicht des BMG auch das SNK – ist vom E-Health-Gesetz hingegen ausdrücklich ausgeschlossen. „Es wird ein Verfallsdatum für Infrastrukturen geben, die mit nicht zertifizierten Komponenten arbeiten“, betonte BMG-Experte Paland.

KV-Connect als Treiber

„Der Verbreitung der TI wird es helfen, dass mit KV-Connect ein bereits funktionierender und bundesweit etablierter Kommunikationsdienst mit einer Vielzahl erprobter Anwendungen von Anfang an mit dabei ist“, sagte Armin Flender, DGN-Geschäftsführer.

Unklar ist aus Sicht der Softwarehäuser allerdings noch, wie sich der eArztbrief per KV-Connect mit der TI-Fachanwendung „Kommunikation Leistungserbringer“ (KOM-LE), die ebenfalls einen vertraulichkeits- und integritätsgeschützten Nachrichtentransport zwischen Praxen und medizinischen Institutionen ermöglichen soll, praktisch vereinbaren lässt. Die Unterstützung für KV-Connect bedeute nicht, dass KOM-LE verschwindet, sondern bei der gematik werde weiter intensiv daran gearbeitet, stellte Paland auf Nachfrage der Softwarehäuser klar.

Sollen die Ärzte künftig beide Kommunikationsdienste nutzen können, sind allerdings vorab noch viele technische Detailfragen zu klären, meint Dr. rer. nat. Erich Gehlen, Softwarehaus Duria eG. Kann etwa das gesamte technische Equipment in den Praxen weiterhin sowohl für die eArztbrief-Kommunikation über die Tele­ma­tik­infra­struk­tur als auch über SNK/KV-Connect genutzt werden? Da es voraussichtlich über einen langen Zeitraum eine Hybridsituation geben wird: Wäre auch ein Mix aus beiden Verfahren für Sender und Empfänger in Arztpraxen und Krankenhäusern möglich?

Heike E. Krüger-Brand

Kommentar

Heike E. Krüger-Brand, Deutsches Ärzteblatt

Der eArztbrief ist eine der ersten Anwendungen für eine künftige sektorübergreifende Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI), von der Ärzte in ihrem Alltag wirklich profitieren können. Dieses Jahr wird die Nutzung per E-Health-Gesetz gefördert, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der elektronische Heilberufsausweis dabei verwendet wird – bislang der größte Hemmschuh bei der Verbreitung.

Doch die Investition in die digitale Technik lohnt sich, das zeigen die ersten Auswertungen des Feldtests der KV Telematik GmbH. Ärzte, die sich bislang durch die zeitliche Begrenzung der Förderphase von der Investition haben abschrecken lassen, können jetzt darauf vertrauen, dass sie mit KV-Connect auf der sicheren Seite sind. Denn sobald KV-Connect als Kommunikationsdienst für die TI zertifiziert ist, können KV-Connect-eArztbriefe auch über 2017 hinaus abgerechnet werden.

Hinzu kommt: Der Dienst funktioniert bereits tadellos – im Unterschied zum TI-internen Kommunikationsdienst KOM-LE, von dem bislang wenig zu hören ist.

FAQ eArztbrief

Welche Vorgaben gibt es für die Übermittlung?

  • Nach der Richtlinie der KBV müssen Vertragsärzte und Psychotherapeuten zum Versand und Empfang der eArztbriefe ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) verwenden, etwa das SNK. Das verwendete Praxisverwaltungssystem muss zudem durch die KBV für den eArztbrief zertifiziert sein.
  • Der genutzte Kommunikationsdienst muss eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachricht und die eindeutige Identifizierung von Absender und Empfänger gewährleisten.
  • Die qualifizierte elektronische Signatur (QES) mit dem elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) ist für den eArztbrief verpflichtend.
  • Sobald die gematik Dienste über die Tele­ma­tik­infra­struk­tur zugelassen hat, müssen Vertragsärzte diese verwenden.

Was leistet die QES?

Mit der qualifizierten elektronischen Unterschrift kann der Arzt einen Brief rechtsgültig elektronisch unterschreiben. Die QES stellt für den Empfänger sicher, von wem das signierte Dokument stammt und dass es nach der Unterschrift nicht mehr verändert wurde.

Für die QES benötigt der Arzt den eHBA, ein Kartenterminal für die Signaturkarte und eine Softwarekomponente zum Signieren.

Wie wird der eArztbrief vergütet?

Für das Jahr 2017 hat der Gesetzgeber die Höhe der Vergütung festgelegt. Danach erhalten Ärzte 28 Cent für den Versand eines eArztbriefes und 27 Cent für den Empfang. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.

Ab 2018 müssen KBV und GKV-Spitzenverband die Höhe des Zuschlages neu vereinbaren.

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