ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2017Vorsicht: Fallstrick im Herzkatheterlabor

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Vorsicht: Fallstrick im Herzkatheterlabor

Look out—a trap in the cardiac cath lab

Dtsch Arztebl Int 2017; 114(16): 290; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0290

Geyer, Martin; Münzel, Thomas; Schmidt, Frank P.

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Überhöhter Gradient beim Rückzug über der Aortenklappe
Überhöhter Gradient beim Rückzug über der Aortenklappe
Abbildung
Überhöhter Gradient beim Rückzug über der Aortenklappe

Eine 76-jährige Patientin wurde zur präoperativen Koronarangiographie vorgestellt, diese wurde via rechts-radialem Zugang durchgeführt. Die invasive Abklärung des Schweregrades einer Aortenklappenstenose wird bei nichteindeutigem Echokardiographiebefund (zum Beispiel „low-flow-low“-Gradient Aortenklappenstenose) von den Fachgesellschaften empfohlen (Evidenzgrad Ic). Nach Ausschluss einer relevanten koronaren Herzkrankheit überraschte ein hoher Gradient beim Rückzug des Pigtail-Katheters aus dem linken Ventrikel („peak-to-peak“/mittlerer Gradient 147/97 mm Hg). Dies könnte leichtfertig als schwergradige Aortenklappenstenose interpretiert werden. Die Dopplermessung der Echokardiographie hatte zuvor jedoch nur leicht erhöhte Gradienten (Pmax/mean 29/15 mm Hg) abgeleitet. Die Aortographie (Abbildung) konnte die Diskrepanz durch Nachweis einer druckrelevanten Stenose des Truncus brachiocephalicus klären. Der Befund war durch ein Summationsphänomen und den radialen Zugangsweg bedingt, wobei bei raschem Rückzug nur ein einzelnes prästenotisches Aortendrucksignal registriert worden war. Die diesbezüglich symptomfreie Patientin wies in der manuellen Messung hierzu passend eine relevante Blutdruckdifferenz von über 70 mm Hg auf (rechts 127/91 mm Hg, links 210/80 mm Hg). Hier zeigt sich, dass eine invasive Untersuchung nicht unbesehen mit dem Goldstandard gleichgesetzt werden darf, sondern immer eine kritische Überprüfung vor einer Therapie nötig ist.

Dr. med. Martin Geyer, Prof. Dr. med. Thomas Münzel, Dr. med. Frank P. Schmidt, Zentrum für Kardiologie, Kardiologie I, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, martin.geyer@unimedizin-mainz.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise
Geyer M, Münzel T, Schmidt FP: Look out—a trap in the cardiac cath lab. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 290. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0290

The English version of this article is available online: www.aerzteblatt-international.de

Überhöhter Gradient beim Rückzug über der Aortenklappe
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