ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2017Ärztlicher Eid: Beredtes Schweigen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wer den Artikel von Prof. Dr. Jean-Pierre Wils liest, wird vermutlich zunächst in vielen Punkten zustimmen und allenfalls beklagen, dass aus der Ärzteschaft selbst zu selten öffentlich Position gegen die Deprofessionalisierung unseres Berufes bezogen wird.

Besorgniserregend ist jedoch auch das, was im vorgestellten Entwurf eines neuen ärztlichen Eides nun keine Erwähnung mehr findet: der Arzt als Garant in den schutzbedürftigsten Phasen des Lebens, an dessen Anfang und Ende. Im Gegensatz zur Genfer Deklaration des Weltärztebundes wird in dem vorgestellten Entwurf nicht mehr „jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht“ entgegengebracht, ebenso wurde der Aspekt der Altersdiskriminierung ersatzlos gestrichen. In einem so umfassenden Entwurf eines neuen ärztlichen Eides wie dem vorgestellten kommt auch der Auslassung ursprünglich vorhandener Normen eine Bedeutung für das ärztliche Selbstverständnis zu. Lassen wir uns durch die vorgeschlagene sprachliche und inhaltliche Aktualisierung nicht täuschen: Hinter dem Weglassen bestimmter Aspekte könnte auch der Versuch stehen, zum Beispiel den Weg in der Diskussion um aktive Sterbehilfe in eine bestimmte Richtung zu ebnen.

Dr. med. Marcus Unger, 66421 Homburg/Saar

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.