ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2017Ärztlicher Eid: Ein Eid für die Träger
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Dass in den letzten 30 bis 40 Jahren tief greifende Veränderungen im ärztlichen Tun geschehen sind, wird von niemandem bestritten. ... Man kann das ablesen an der tief greifenden Spezialisierung, die die ärztliche Arbeit inzwischen nicht zu Unrecht auszeichnet und die dazu führt, dass die Verantwortung für eine Diagnostik oder Behandlung auf viele Schultern verteilt ist, die häufig gar nichts voneinander wissen. Man kann es ablesen an der brutalen Öko­nomi­sierung der Medizin, deren Gestaltung den Ärzten aus den Händen genommen wurde. Und man kann es ablesen an der sich schleichend einstellenden Änderung der ärztlichen Ausbildung im Studium, die sich von einem universitären zunehmend zu einem Fachschulniveau entwickelt.

... Professionalität ... muss vorhanden sein, um als Basis eines Berufsethos dienen zu können. Diese Professionalität kann in Studium und Weiterbildung erlernt werden, wenn es denn die entsprechenden akademischen oder klinischen Lehrer tun. Aber auch diese stehen unter ökonomischen Diktaten und sind meist froh, wenn sie „über die Runden“ kommen, ohne anzuecken. Denn es ist klar: Ein Durchsetzen ethischer Prinzipien gegen die Ökonomie, seien sie nun in einem Eid formuliert oder basierten sie auf einer humanistischen Grundhaltung, würde mit Nachteilen behaftet am ökonomischen Managment der Klinik scheitern.

... Es kann nicht darum gehen, die ganze Verantwortung für einen ethischen Umgang mit den Patienten alleine beim einzelnen Arzt zu suchen bzw. abzuladen, wenn diesem im modernen Gesundheitswesen fast keine Möglichkeit mehr bleibt, selbst steuernd und gestaltend in den Prozess einzugreifen. Auch im konträren Bezug, das heißt im Falle eines Behandlungsfehlers, wird heute ernsthaft auch die Verantwortlichkeit der Träger der Einrichtungen gesehen. Wenn Wils schreibt „Die Berufsmoral hat keinen Status mehr, weil sie nicht eingebettet ist in einem verbindlichen Code, der Selbstverständnis und Organisationsgrad eines Berufsstandes abbildet“, dann ist das nur die Hälfte des Problems, denn die andere Hälfte liegt im Verantwortungsbereich der Träger.

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Im Grunde müssten die Träger den Eid schwören, dass sie ihre Einrichtungen nicht nach ökonomischen, sondern nach ethischen Prinzipien führen. Dann hätte auch ein Eid auf ärztlicher Seite Sinn, weil er dann gleichsam auf Augenhöhe den Professionalitätsanspruch der Ärzteschaft demonstrieren würde. In der gegenwärtigen Situation ist eine Besinnung auf das Ethos des Arztes mit oder ohne Eid keinesfalls fehl am Platze, aber in seiner „Durchschlagskraft“ behindert.

Prof. Dr. med. Peter von Wichert, 20249 Hamburg

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