ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2017Medizinische Fachangestellte: Altersvorsorge in der Arztpraxis

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Medizinische Fachangestellte: Altersvorsorge in der Arztpraxis

Dtsch Arztebl 2017; 114(16): A-804 / B-680 / C-666

Hillienhof, Arne

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Die Beiträge aus der gesetzlichen Rentenversicherung können künftig lediglich eine Grundversorgung gewährleisten. Altersarmut ist daher für Praxismitarbeiterinnen eine reale Gefahr und eine zusätzliche Altersversorgung unverzichtbar.

Foto: picture alliance
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Vollzeitbeschäftigte medizinische Fachangestellte kommen auf ein durchschnittliches Brutto-jahreseinkommen von rund 23 000 Euro. Bei 30 Berufsjahren entspricht dies einer Altersrente von rund 606 Euro aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Das rechnen die für medizinische Fachangestellte zuständigen Tarifparteien vor – also auf der Ärzteseite die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Medizinischen Fachangestellten (AAA) und auf Seite der Arzthelferinnen der Verband medizinischer Fachberufe.

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In Deutschland hat jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch darauf, einen Teil seines Arbeitsentgelts für die betriebliche Altersvorsorge einzusetzen. Für diese im Rahmen der Entgeltumwandlung eingesetzte Summe werden während des Arbeitslebens keine Einkommenssteuer und keine Sozialabgaben fällig. Das Recht auf betriebliche Altersvorsorge hat jeder Arbeitnehmer – die Entscheidung, wie diese organisiert wird, liegt allerdings beim Arbeitgeber. Die Angestellten können bis zu maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze für ihren Ruhestand steuerfrei einzahlen.

Tarifliche Vereinbarung

Die AAA und der Verband medizinischer Fachberufe haben bereits Mitte 2011 einen „Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung“ abgeschlossen. Er sieht einen Arbeitgeberbeitrag für die betriebliche Altersversorgung vor. Steuert die Praxismitarbeiterin aus ihrem Bruttogehalt selbst noch einen freiwilligen Betrag bei, dann erhält sie darauf noch einen Zuschuss des Arbeitgebers in Höhe von 20 Prozent, mindestens aber zehn Euro monatlich. Wegen der Steuerbefreiung kommt so eine zusätzliche Altersrente zu sehr günstigen Bedingungen für die medizinische Fachangestellte zustande.

Die Tarifparteien empfehlen die Anlage der Beiträge in einem Produkt namens „GesundheitsRente“. Sie ist aus einer öffentlichen Ausschreibung hervorgegangen. Mit der Ausschreibung haben die Tarifparteien einen Anbieter für die Entgeltumwandlung in Arzt- und Zahnarztpraxen gesucht, der ein passgenaues und kostengünstiges Produkt für den ambulanten Gesundheitsbereich bietet. Durchsetzen konnte sich ein Konsortium aus Deutscher Ärzteversicherung, Deutscher Apotheker- und Ärztebank und Pro bAV Pensionskasse. Die GesundheitsRente wird von allen Standesorganisationen der Ärzte-, Zahnärzte- und Tierärzteschaft getragen und von ihnen zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung für das ärztliche, zahnärztliche- und tierärztliche Praxispersonal empfohlen.

Angenommen, eine 25-jährige Praxisangestellte in Vollzeit investiert 76 Euro Arbeitgeberbeitrag als Monatsbeitrag in die GesundheitsRente. Stockt sie diesen Beitrag durch Entgeltumwandlung und 20-prozentigen Arbeitgeberzuschuss auf – wie in dem „Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung“ vorgesehen –, so kann sich ein Monatsbeitrag von 115 Euro ergeben. Bei Renteneintritt mit 67 Jahren kann sie – bei einer angenommenen Indexentwicklung in Höhe von vier Prozent pro Jahr – entweder mit einer zusätzlichen Betriebsrente von monatlich rund 388 Euro oder stattdessen mit einer Kapitalabfindung in Höhe von etwa 138 564 Euro rechnen. So lässt sich der Rentenanspruch aus der gesetzlichen Rentenversicherung also deutlich erhöhen.

Kampagne zur Altersvorsorge

„Mit unseren Tarifverträgen zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung haben wir gemeinsam mit unseren Tarifpartnern begonnen, innovative Konzepte umzusetzen“, erklärte die Vorsitzende des Verbandes medizinischer Fachberufe, Hannelore König. Trotzdem nutzten immer noch viele Arbeitnehmerinnen das Angebot nicht. Der Verband startet daher jetzt eine Kampagne zur betrieblichen Altersvorsorge. Unter dem Motto „Verschenk nichts mehr: Lass deinen Chef ab sofort für dich vorsorgen!“ weist er seine Mitglieder aktiv auf die Möglichkeiten zu der zusätzlichen Vorsorge hin. „Mit der Kampagne wollen wir für das Thema sensibilisieren, über die Möglichkeiten informieren, Mut machen und Tipps geben, wie die Berufsangehörigen die betriebliche Altersvorsorge beim Arbeitgeber ansprechen und mit ihm umsetzen können“, so König.

Die Beantragung ist unkompliziert – die Anträge können unter der Telefonnummer 0221 14822700 bei der Deutschen Ärzteversicherung oder im Internet unter www.gesundheitsrente.de angefordert werden.

Dr. med. Arne Hillienhof

Betriebsrente im Überblick

Vorteile für Ärzte:

  • Die Altersvorsorge im Rahmen der GesundheitsRente erfüllt alle Anforderungen, die in den Tarifverträgen zur betrieblichen Altersvorsorge und Entgeltumwandlung festgeschrieben sind. Explizit wurde der Tarifgemeinschaft zugesagt, dass alle tarifvertraglichen Arbeitgeberbeiträge eingezahlt werden können.
  • Arbeitgeberbeiträge zur GesundheitsRente sind als Betriebsausgaben steuer- und sozialversicherungsfrei.
  • Es gibt keine Risiken wie zum Beispiel eine Nachschusspflicht.
  • Es ist kein zusätzlicher Beitragsaufwand zum Pensionssicherungsverein notwendig.
  • Eine betriebliche Altersvorsorge kann zu einem positiven Arbeitsklima und der Mitarbeiterbindung beitragen.
  • Die Kooperation „Vorsorgeeinrichtung für Gesundheitsberufe“ ist langfristig angelegt. Angestrebt wird eine eigenständige Pensionskasse, die bei entsprechendem Volumen eingerichtet wird. Das bedeutet eine langfristige Sicherung der Standesinteressen.
Foto: Rido/stock.adobe.com
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Vorteile für das Praxispersonal:

  • Die Betriebsrente bietet eine Altersversorgung ohne oder mit geringem finanziellem Aufwand.
  • Als Gruppenvertrag bietet die GesundheitsRente bessere Konditionen.
  • Es müssen keine Steuer und Sozialabgaben auf die eigenen Beiträge gezahlt werden.
  • Es können Arbeitgeberbeiträge und Entgeltumwandlungsbeträge aus dem laufenden Tarifgehalt, Weihnachtsgeld und Sonderzahlungen eingezahlt werden.
  • Die GesundheitsRente kann beim Wechsel des Arbeitgebers mitgenommen werden.
  • Die Mitwirkungsrechte für Arbeitnehmervertreter sind über den Beirat langfristig abgesichert.

Vorteile für beide Seiten:

  • Die Kosten fallen durch die einheitliche und standardisierte Verwaltung innerhalb des Kollektivvertrags „Vorsorgeeinrichtung für Gesundheitsberufe“ niedrig aus.
  • Die maximal begünstigte Beitragszahlung beträgt bis vier Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung West (2017 = 3 048 Euro/Jahr). Zusätzlich können gegebenenfalls bis zu 1 800 Euro pro Jahr steuerfrei aber sozial­ver­sicherungs­pflichtig in die Pensionskasse eingezahlt werden.
  • Unverfallbarkeit: Die Leistungen aus tarifvertraglichen Arbeitgeberbeiträgen und Entgeltumwandlung stehen dem Arbeitnehmer sofort unwiderruflich zu.

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