ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2017QM-Ratgeber: Ärztliches Peer Review

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QM-Ratgeber: Ärztliches Peer Review

Dtsch Arztebl 2017; 114(16): A-806 / B-682 / C-668

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Beim ärztlichen Peer Review geht es einfacht gesagt darum, Kollegen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und das Gesehene oder Erlebte anschließend auf Augenhöhe im kollegialen wertschätzenden Dialog zu besprechen, und zwar ohne „erhobenen Zeigefinger“ und ohne Sanktionen.

Peer Reviews mit Vor-Ort-Besuch finden bislang hauptsächlich in Krankenhäusern statt. Aber auch für ambulante Einrichtungen können sie ein wirksames Instrument des kollegialen Lernens und der Qualitätsentwicklung sein. Das haben erste Modellprojekte gezeigt, so zum Beispiel das PeerVisit-Verfahren des Anästhesienetzwerkes Berlin Brandenburg e. V. oder das Verfahren des Arztnetzes „Qualität und Effizienz eg“ Nürnberg.

Um Peer Review mit Vor-Ort-Besuch noch stärker in der ambulanten Versorgung zu etablieren, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam mit Niedergelassenen und Vertretern verschiedener Lan­des­ärz­te­kam­mern und der Bundes­ärzte­kammer ein Konzept zur Entwicklung und Umsetzung ambulanter Peer-Review-Verfahren entwickelt. Danach empfiehlt es sich, besonders auf folgende Eckpunkte zu achten:

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  • „Welche Zielstellung soll mit der Durchführung der Reviews erreicht werden und wer sind die beteiligten Akteure?
  • „Wer ist Träger des Verfahrens und wer übernimmt welche Rolle? (Die Einrichtung eines Lenkungsgremiums hat sich bewährt.)
  • „Worauf soll bei den Reviews geachtet werden (Beispiele: gesamter Praxisablauf, ausgewählte medizinische Parameter, Arzt-Patienten-Gespräch und so weiter)?
  • „Wie soll sich die Durchführung der Reviews gestalten (Vorbereitung, Dauer, Realisierungszeitraum, Verwendung der Ergebnisse und so weiter.)?
  • „Welche Qualifikationsanforderungen werden an die Akteure gestellt (eine PeerAusbildung bei den Ärztekammern oder eine verfahrensbezogene Peer-Ausbildung sind Voraussetzung für eine Peer)?
  • „Welche weiteren Verfahrensgrundsätze (zum Beispiel Wechselseitigkeit, Freiwilligkeit, Datenschutz) sind im konkreten Kontext zu beachten?

Wichtig ist, dass diese Peer-Review-Verfahren die Besonderheiten der ambulanten Versorgung berücksichtigen. Aufwand und Nutzen müssen für die beteiligten Praxen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Das sorgt für Akzeptanz.

Mit Peer Review werden Lern- und Verbesserungsprozesse angestoßen: Das sagten alle Beteiligten an einem Pilottest der KBV. Die Reviews und der Austausch mit Kollegen haben ihnen relevante Anregungen für die eigene Arbeit gegeben.

Informationen: Bundes­ärzte­kammer (Hrsg.) Curriculum Ärztliches Peer Review, 2. Auflage 2013

Kassenärztliche Bundesvereinigung:

http://www.kbv.de/html/10848.php

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