ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2017Strahlentherapie bei frühem Mammakarzinom: Boost reduziert Rezidivrisiko besonders bei Jüngeren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Strahlentherapie bei frühem Mammakarzinom: Boost reduziert Rezidivrisiko besonders bei Jüngeren

Dtsch Arztebl 2017; 114(17): A-849 / B-718 / C-704

Siegmund-Schultze, Nicola

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Das Mammakarzinom im Frühstadium wird im Allgemeinen brusterhaltend operiert und die Brust nachbestrahlt, um Lokalrezidiven vorzubeugen. Ein Boost im Tumorbett (16 Gy) nach Ganzbrustbestrahlung (50 Gy) vermindert das Risiko für ein Tumorrezidiv in der ipsilateralen Brust (IBTR) signifikant, wie unter anderem die 2015 publizierten 20-Jahres-Daten der randomisierten EORTC-Studie mit 5 569 Frauen (Tumor mikroskopisch komplett exzidiert) ergaben (1). Ein IBTR trat bei 13 % in der No-Boost- und bei 9 % in der Boostgruppe auf (Hazard Ratio: 0,65; p < 0,0001).

Nun ist bei einer Subgruppe von 1 616 Patientinnen aus der EORTC-Studie auf Basis zentral erneut pathologisch bewerteter Gewebepräparate untersucht worden, welche Faktoren für ein IBTR prognostisch relevant sind (2). Niedriges Erkrankungsalter, hohe Malignität des Tumors und duktale Karzinome in situ (DCIS) in der Nähe des Primarius waren mit einem erhöhten Rezidivrisiko assoziiert. So betrug die kumulative 20-Jahres-Inzidenz eines IBTR 34 % für Patientinnen < 40 Jahre, 14 % für Patientinnen 41–50 Jahre und 11 % für > 50-Jährige, in der Gruppe mit DCIS lag sie bei 18 %, aber nur bei 9 % in der Gruppe ohne DCIS und bei 16 % in der Gruppe mit hohem Malignitätsgrad und 12 % bei niedriger Malignität. Der Boost reduzierte die kumulative 20-Jahres-IBTR-Inzidenz bei jüngeren Frauen mit DCIS von 31 % auf 15 % (p < 0,001). Die IBTR-Kurven erreichten kein Plateau, die günstigen Effekte des Boosts erhöhten sich im Langzeitverlauf. Bei niedrigmalignen, östrogenrezeptorpositiven Tumoren wurde kein Vorteil für die Boostbestrahlung gefunden, auch nicht bei DCIS.

Fazit: „Diese Langzeitanalyse belegt noch einmal, dass prinzipiell alle Patientinnen von der Dosisaufsättigung profitieren können“, kommentiert Prof. Dr. med. Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, Universitätsklinikum Heidelberg. „Den größten Vorteil von der Boostbestrahlung hatten Patientinnen < 50 Jahre. Die EORTC-Studie zeigt außerdem, wie notwendig eine lange Nachsorge ist.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Bartelink H, Maingon P, et al.: Whole-breast irradiation with or without a boost for patients treated with breast-conserving surgery for early breast cancer: 20-year follow-up of a randomised phase 3 trial. Lancet Oncology 2015; 16: 47–56.
  2. Vrieling C, et al.: Prognostic factors for local control in breast cancer after long-term follow-up in the EORTC boost vs no boost trial: a randomized clinical trial. JAMA Oncology 2017; 3: 42–8.

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