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Im Mittelalter gab es den Pranger. Heute die Bewertungsportale. Cui bono? Dem Portalbetreiber, der hat ein wirtschaftliches Interesse. Der Öffentlichkeit? Dazu müsste eine Verifizierung der Behauptungen möglich sein. Dem Arzt? Wenn er die Plattform als Marketinginstrument nutzt: ja. Nur fragt man sich, warum diejenigen, die im Ranking ganz oben rangieren, fast regelmäßig zahlende Portalkunden sind. Wie schaffen die es, negative oder auch nur mäßige Kritiken aus ihrem Profil fernzuhalten? Das hat meines Erachtens ein „Gschmäckle“. ...

Statt seine spärliche Freizeit zu genießen, ist der Arzt gezwungen, regelmäßig das Internet auf Denuntiation zu durchforsten. Es genügen ein paar wenige, geschickt formulierte Negativbewertungen, um eine Praxis auf Dauer zu ruinieren. Denkbar ist, dass solche Bewertungen von der Konkurrenz gekauft sein könnten, im Hotelfach scheint das gang und gäbe zu sein. Eine Möglichkeit der rechtlichen Abwehr gibt es schlicht nicht, solange der Bewerter keine falschen Tatsachenbehauptungen aufstellt. Doch auch das geschieht und wird veröffentlicht, solange der Praxisinhaber davon nichts merkt. Der Shitstorm-Effekt: Einer Negativbewertung folgen dann meist noch andere (Frage: von wem?). Stellen Sie sich vor: Nach langer Ausbildung und erheblichen Investitionen genügen „vierfuffzig“ von der Konkurrenz, um Sie zu diskreditieren und fertigzumachen. Ohne Rechtsmittel. ...

Persönlich habe ich schon erlebt: Bewertungen von nie in der Praxis gewesenen Patienten, Kommentare psychisch Gestörter, bewusst unwahre Statements. Anfangs gehörte ich, bundesweit gesehen, zu den Schlechtesten meiner Fachgruppe und nun zu den Besten. Meine Praxis pendelt zwischen „sehr modern“ und „altem Zeug“. Was habe ich getan? Die Portalbetreiber angezeigt, Bewertungen möglichst löschen lassen, gute Patienten um eine Positivbewertung gebeten (dazu hat mir der Portalsbetreiber sogar geraten!!!). An meiner Praxis oder Arbeitsweise habe ich nichts verändert. Schon nach der ersten Negativbewertung durfte ich 40 Prozent weniger Privattermine hinnehmen. Nach Löschung – weil unwahre Tatsachenbehauptung – wieder wie vorher. Ersatz für den Schaden? Iwo! Dank § 10 Telemediengesetz. Der Patient benutzt das Portal wie ein Telefonbuch. Schon mit einmal „negativ“ verschwinden Sie mit Ihrer Praxis von Seite eins. Und auf Seite zwei gehen die wenigsten. Da kann Ihre Lebensleistung aussehen, wie sie will.

Dr. med. Rupert Holderied, 81671 München

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