ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2017Randnotiz: Alles wegen Rita

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Randnotiz: Alles wegen Rita

Bühring, Petra

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Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Störungen und wird auch bei Erwachsenen immer häufiger diagnostiziert. Der meistverordnete Wirkstoff ist nach wie vor Methylphenidat – besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin. Der Einsatz des Wirkstoffs ist umstritten, vor allem bei Eltern der betroffenen Kinder. Das hat wohl auch mit der Entdeckungs- oder Vermarktungsgeschichte von Methylphenidat zu tun: 1944 synthetisiert der bei dem Pharmaunternehmen CIBA (heute Novartis) angestellte Chemiker Leandro Panizzon erstmals den Wirkstoff, der sich als milde Psychostimulanz herausstellt. Wie damals üblich probiert er das Mittel zunächst an sich selbst aus, findet aber keine beeindruckende Wirkung. Seine Frau Marguerite (Rita) hingegen profitiert davon beim Tennisspielen. Folglich benennt CIBA das Medikament nach seiner Frau: aus Rita wird Ritalin, das bis in die 1960er-Jahre als harmlose Substanz, ähnlich dem Koffein, gilt und ohne Rezept in Apotheken erhältlich ist. In den 1980er-Jahren entdeckt die Drogenszene den Stoff, der in hoher Dosis euphorisierend wirken kann. Nach vielfacher Kritik nimmt Novartis 1988 deshalb Ritalin weltweit vom Markt. Das hätte das Ende sein können, doch Kinderärzte fanden heraus, dass das Mittel nicht nur anregen, sondern auch hyperaktive Kinder beruhigen kann. So begann, gemeinsam mit dem Anstieg von ADHS-Diagnosen, die zweite Karriere von Ritalin – begleitet von andauernden gesellschaftlichen Kontroversen.

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