ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2017Psychotherapeuten: Berufliche Selbstzweifel nützen der Therapie

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Psychotherapeuten: Berufliche Selbstzweifel nützen der Therapie

PP 16, Ausgabe Mai 2017, Seite 231

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Psychotherapeuten haben ein berufliches und ein privates Bild von sich. Norwegische Psychologen um Helene Nissen-Lie von der University of Oslo (Norwegen) haben untersucht, wie sich diese Selbstbilder auf das berufliche Handeln und den Therapieerfolg auswirken. Dazu stellten sie die Ausprägung verschiedener Persönlichkeitsstörungen bei 255 Patienten vor und einige Wochen nach der Untersuchung fest. Außerdem befragten sie 70 Psychotherapeuten nach beruflichen Schwierigkeiten und ihren Umgang damit sowie nach allgemeinen und privaten Einstellungen zu sich selbst. Dabei kam heraus, dass die beruflichen und privaten Selbstkonzepte sowie die Copingstrategien von Therapeuten den Therapieerfolg beeinflussen können. Die besten Erfolge erzielten Therapeuten, die privat ein stabiles Selbstwertgefühl hatten, für sich sorgten und gut mit sich umgingen, gleichzeitig aber ihre therapeutische Arbeit stets hinterfragten. Dazu zählte beispielsweise, daran zu zweifeln, dass man als Therapeut etwas bewirken könne, unsicher zu sein, was dem Patienten am besten helfen würde, besorgt zu sein, dass private Probleme das berufliche Wirken beeinträchtigen können oder demoralisiert zu sein, weil man nicht in der Lage war, einem Patienten zu helfen. Nach Meinung der Autoren ist es positiv, wenn Therapeuten ihr berufliches Handeln kritisch betrachten. „Berufliche Selbstzweifel helfen dabei, offen zu bleiben, selbstreflexiv zu sein und stets nach geeigneteren Methoden Ausschau zu halten“, so Nissen-Lie und Kollegen. Darüber hinaus ist es von Vorteil für den Patienten, wenn ein Therapeut konstruktiv mit Schwierigkeiten umgeht und zum Beispiel Rat bei Kollegen sucht oder Probleme zusammen mit dem Patienten löst. ms

Nissen-Lie H, Rønnestad MH, Høglend P, Havik O, Solbakken OA, Stiles T, Monsen J: Love yourself as a person, doubt yourself as a therapist? Clinical Psychology and Psychotherapy 2017; 24 (1): 48–60.

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